Kirche

Die Osterbotschaft

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Das geistliche Wort

Eigentlich müssten wir uns die Augen reiben angesichts der Osterbotschaft. Denn in der Welt sucht sie ihresgleichen. Damals am Anfang war das auch so.

Für die Juden war es eine Gotteslästerung, dass Gott am Kreuz sterben soll. Und für die Griechen war es eine Dummheit, dass Gott als der Ursprung aller Dinge an einer Hinrichtungsstätte bei Jerusalem zu Tode gekommen sei sollte.

Das war damals. Und heute? Offenkundig sieht die Botschaft von der Auferstehung irgendwie harmlos aus. Gott als eine Art Stehauf-Männchen. Oder es kommt der Vergleich mit der Natur. Dass auf das Sterben der Natur im Winter das Neuerwachen der Natur im Frühling folge. Vordergründig mag dieses Bild stimmen.

Aber wenn ich genau hinsehe, stirbt die Natur eben NICHT. Täte sie das, gäbe es keinen Frühling oder er sähe aus wie ein abgestorbener Wald, kein Grün, keine Blüten.

Nein, für Auferstehung gibt es kein Modell. Der Gekreuzigte ist wirklich tot, mausetot und nicht scheintot.

Und das ist die erste Zumutung: dass Gott, der Transzendente und Heilige, sich nicht heraushält aus den unheiligen Verhältnissen dieser Welt. Dass er den Tod „schmeckt“, der uns Menschen sprachlos macht, zerschmettert, alle Hoffnung nehmen kann.

Es ist die absolute Gottesfinsternis von Golgatha, die der Gekreuzigte erleidet. Und das ist die zweite Zumutung: dass am Grunde dieser „Hölle“, wo es tiefer und dunkler nicht mehr geht, Gott die große Wende herbeiführt. Das schafft nur Gott.

Dass das kein Spaziergang ist, dass er sozusagen seinen Preis dafür zahlt, belegen die Wundmale des Auferstandenen, die in der Kunst aller Jahrhunderte die Identifikationsmerkmale Christi sind.

Und das ist die Dramatik, aber vor allem auch das Frohe und Helle an dieser Osterbotschaft. Es gibt wider allen Anschein eine Perspektive über den Tod hinaus.

Für diese Botschaft kann es kein Modell geben, nicht das Stehauf-Männchen und nicht das Wiedererwachen der Natur. Ostern ist schlichtweg analogielos.

Der Autor Frank Meessen ist Pädagogischer Leiter des Katholischen Bildungswerks Bergstraße/Odenwald mit Sitz in Heppenheim

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