Kirche

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Das geistliche Wort – Autor Manfred Forell sieht sich aus seinem christlichen Menschenbild heraus dazu verpflichtet, öffentlich gegen Rassismus einzutreten

Wir stehen für eine viele Völker und Kulturen umfassende Kirche und Gesellschaft und wehren uns gegen jede Instrumentalisierung des christlichen Glaubens, um andere Religionen und Kulturen herabzuwürdigen... Jeder Mensch verfügt über die gleiche Würde, alle haben die gleichen Grundrechte und jede/r verdient gleichen Schutz sowie die gleiche Anerkennung. Polemik, Hetze und Gewalt gegenüber Menschen anderer Hautfarbe, Herkunft, sexueller Orientierung oder Religion widersprechen dem christlichen Menschenbild.“

Was der Katholikenrat im Bistum Mainz in seiner Erklärung „Wir nehmen Stellung – Katholiken gegen Rechtspopulismus“ anprangert, ist der Alltagsrassismus, der in beängstigender Weise in der Gesellschaft um sich greift.

Mehmet Daimagüler, Anwalt zweier Familien von NSU-Mordopfern, beschreibt in seinem Buch „Empörung reicht nicht“ den „Rassisten 2.0“: „Der moderne Rassist schwadroniert nicht mehr über die Überlegenheit der einen Rasse über die andere. Er spricht lieber über die Zurückgebliebenheit der einen Kultur und der daraus folgenden Überlegenheit der eigenen Kultur.

Er sorgt sich um die kulturelle Identität seiner Heimat und wegen der „Zuwanderung in die Sozialkassen“. Er gibt sich tierlieb und fordert ein Verbot der Schächtung. Er gibt sich kinderlieb und fordert ein Verbot der Beschneidung. Er gibt sich als „Frauenversteher“ und fordert ein Verbot des Kopftuchs... Er kämpft für unsere Freiheit und will alles verbieten, was er nicht kennt oder nicht kennen will.

Das macht den Kampf gegen Rassismus unbequem... Es ist einfach, den Skinhead- Rassisten zu verurteilen. Es ist jedoch ungleich schwieriger, den manchmal gar nicht so subtilen Rassismus unserer Freunde, Kollegen und Verwandten als solchen zu benennen. Der Kampf gegen den Rassismus muss aber genau da geführt werden: Wo er unseren Herzen so nah ist und das Aufbegehren deswegen schmerzt.“

Rassismus ist die Macht und hat die Macht zu verletzen!

Es liegt an mir, ob ich mich selbst ermächtige, die Würde der anderen zu untergraben oder sie ihnen abzusprechen. Ebenso kann ich bewusst auf rassistische Äußerungen verzichten oder Widerspruch dagegen einlegen. Dazu sehe ich mich aus meinem christlichen Menschenbild heraus verpflichtet.

Die Werte unseres Grundgesetzes, unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates sind unverhandelbar. Es reicht nicht, wenn sie nach immer neuen Tabubrüchen pflichtbewusst von Politikern beschworen werden. Jedes Mitglied der Zivilgesellschaft muss sie im Alltag leben, sein Wort erheben, solidarisch sein. Die Würde des Menschen ist unantastbar, das ist unsere Leitkultur!

* Der Autor Manfred Forell ist Mitarbeiter der Regionalstelle Süd des Demokratiezentums im Haus am Maiberg in Heppenheim.

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