Kirche

Erfahrungen mit Grenzen

Das geistliche Wort

Die Urlaubszeit im Sommer ermöglichte uns vielleicht Grenzerfahrungen. Wir waren womöglich in fremden Ländern unterwegs, kamen sprachlich an unsere Grenzen. Vielleicht kamen wir auch körperlich an unsere Grenzen, beim Wandern, beim Fahrradfahren oder beim Schwimmen im offenen Meer.

Ich war vergangene Woche zum Beispiel in den Stubaier Alpen unterwegs und habe dort persönliche Grenzen auf 2900 Metern Höhe im Schnee erlebt.

Sind Grenzen eigentlich gut oder schlecht? Es gibt Grenzen, die müssen einfach weg, so wie vor dreißig Jahren der eiserne Vorhang zwischen den beiden deutschen Staaten. Auch die Abschottung einzelner Staaten bei der Aufnahme von aus dem Meer geretteten Flüchtlingen ist eine menschliche Zumutung.

Es gibt aber auch Grenzen, die gut tun, zum Beispiel die Unverletzlichkeit der Persönlichkeitsrechte durch das Grundgesetz. Diese Grenzen müssen unantastbar sein. Das hat uns auch die Missbrauchsdebatte deutlich gemacht.

Neben den schlechten und guten Grenzen, gibt es aber auch Grenzen, die ambivalent sind, zum Beispiel bei ethischen Fragen wie der Organspende. Muss ich wie bisher aktiv zustimmen oder aktiv widersprechen? Oder bei der Sterbehilfe: Was ist ethisch vertretbar und was nicht?

Ich möchte Ihnen Mut machen, sich mit Ihren Grenzen zu beschäftigen. Wie weit kann ich, will ich gehen? Wir brauchen die Auseinandersetzung mit Grenzen, um Identität zu gewinnen: Wir brauchen sie kirchlich, wir brauchen sie gesellschaftlich und wir brauchen sie individuell.

* Der Autor Martin Fraune ist Leiter des Caritaszentrums Heppenheim.

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