Kirche

Erinnern und Kraft schöpfen

Archivartikel

Das geistliche Wort

Die Sommerferien sind zu Ende. Am Montag beginnt der Alltag wieder. Ich hoffe, Sie haben erholsame Tage und Wochen erlebt. Vielleicht eine Urlaubsreise, Entspannung am See oder beim Wandern, ein Grillfest mit Freunden oder einfach Zeit, um in Ruhe zu lesen und abzuschalten.

Oder ein eindrücklicher Gottesdienst, ein spiritueller Augenblick indem Sie sich mit Gott und der Welt im Einklang empfunden haben. Ich hoffe, Sie haben viele Erlebnisse und Begegnungen vor Augen, die Sie schmunzeln und fröhlich sein lassen. Solche Bilder und Erinnerungen tun unserer Seele gut. Sie stärken uns, geben Kraft und positive Energie, wenn wir sie hervorholen und sie vor unserem geistigen Auge Revue passieren lassen.

Das Sammeln von inneren Bildern beschreibt der Schriftsteller Leo Lionni sehr eindrücklich: Die Feldmaus Frederick sitzt scheinbar untätig herum, während alle anderen Vorräte für den nahenden Winter sammeln. Auf die Frage, warum er nicht mithelfe, antwortet er, dass er für kalte, graue und lange Wintertage Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammele. Als der Winter dann kommt, leben die Feldmäuse von den gesammelten Vorräten. Der Winter ist jedoch lang, und die Vorräte gehen allmählich zur Neige. Jetzt wird Frederick nach seinen Vorräten gefragt – und er teilt mit seiner Familie die gesammelten Sonnenstrahlen, um sie zu wärmen; die Farben, um den Winter weniger grau und trist sein zu lassen; und die Worte in Form eines Gedichtes.

Welche Farben, Eindrücke, innere Bilder haben Sie in diesem Sommer gesammelt? Werden Sie sich an diese Erlebnisse erinnern, wenn es kühler wird in ihrem Leben?

Erinnerungen an schwere Zeiten sitzen oft sehr fest in unserem Gedächtnis und in unserem Körper. Im Haus der Kirche in Heppenheim ist ab dem 13. August eine Ausstellung zu sehen, in der Menschen über ihre Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg berichten. 16 Zeitzeugen aus unserer Region wurden interviewt. Sie lassen uns Anteilnehmen an den inneren Bildern, die sie aus dieser Zeit haben. Sie zeigen eindrückliche Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend im Krieg.

Was hat den Menschen bei der Verarbeitung dieser Erfahrungen geholfen? Vielleicht konnten sie andere Bilder von Unterstützung, Wärme, Geborgenheit dagegensetzen. Vielleicht hatten sie das Bild eines begleitenden Gottes im Herzen oder eine Geschichte aus der Bibel, ein Psalm, ein Lied.

Solche stärkende Bilder, die Sie immer wieder sich vor Augen halten können, wünsche ich Ihnen.

* Die Autorin Edith Unrath-Dörsam ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Mörlenbach.

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