Kirche

Gottes Geist im Herzen

Pfarrer Christian Ferber macht sich Gedanken über den aktuellen Wochenspruch aus dem Römerbrief: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“.

Das neue Jahr 2020 ist erst ein paar Tage alt, und doch scheint vieles im alten Geist des vergangenen Jahres weiterzugehen: Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärfen sich, die politischen Neujahrstreffen der Partei finden in alten Profilierungsmustern statt, Morddrohungen gibt es nicht nur für Kommunalpolitiker, sondern nun auch für Kirchenvertreter wie den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm. Die Ellenbogen ausfahren, scheint nach wie vor angesagt zu sein.

Ganz anders klingt dagegen der Wochenspruch aus dem Römerbrief: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“. Was diesen Geist Gottes unter Menschen ausmacht, das konkretisiert sich in der Bergpredigt Jesu. Demnach zeigt er sich in Sanftmut, in Friedfertigkeit, Ehrlichkeit und Menschen, denen an Gerechtigkeit liegt.

Ellenbogenmentalität versus Kooperationsgeist, Egogesellschaft versus Dienstgemeinschaft, Hartherzigkeit versus Nächstenliebe – so wäre man also versucht zu pointieren. Aber so einfach ist es nicht. Wenn wir ehrlich sind: Wir haben selbst beide Seiten in unserem Herzen und Sinn. Es gibt keinen Menschen, der nur gut oder schlecht ist.

Härte und Freundlichkeit liegen dichter beieinander, als wir denken. Aber genau darin liegt auch eine Chance: Wir können jeden Tag, jede Stunde entscheiden, welche Richtung wir einschlagen. Das Gute liegt nicht weiter entfernt als in jedem einzelnen Wort und jeder einzelnen Tat, die segensreich ist oder nicht.

Den Anfang eines neuen Jahres umweht immer auch eine Art Bilanzierungsaura. Und wie fällt sie aus, meine Bilanz? Hab ich mehr im Soll oder mehr im Haben gewirtschaftet, was das gute Leben mit mir und anderen? Und wie soll es in diesem Jahr 2020 weitergehen?

Der Wochenspruch macht da deutlich: Man muss nicht alles aus eigener Kraft leisten. Sondern Gottes Geist wirkt im menschlichen Herzen. Er schubst in die richtige Richtung, weitet den Blick, um mehr Optionen zu haben. Gehen müssen wir aber selbst.

Und es wird an uns sein mitzuentscheiden, ob da, wo wir leben – am Arbeitsplatz, in unseren sozialen Beziehungen, in den öffentlichen und digitalen Räumen – mehr das Ich und das Ego regieren, die Hartherzigkeit und Konfliktbereitschaft, oder jene Kräfte, die gemeinsame Räume eröffnen: Sanftmut, Friedfertigkeit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Für die Früchte des Geistes Gottes Einsatz zu bringen, das scheint mir auch im neuen Jahr 2020 ein verheißungsvoller Horizont zu sein.

Der Autor Christian Ferber ist Pfarrer in der Evangelischen Gemeinde Einhausen.

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