Kirche

Gottes Hausgenossen

Geistliches Wort: Pfarrer Dirk Römer berichtet über Erfahrungen und Erlebnisse während des Urlaubs in der Bretagne.

Es ist nicht leicht, Hausgenosse und Mitbürger zu werden. Doch viele von uns haben das Bedürfnis, es zu sein. Vor wenigen Wochen haben meine Frau und ich so etwas erlebt. Es war in der Bretagne, wo wir seit gut 20 Jahren Steuern bezahlen, zwar nicht die großen wie in Bensheim, aber immerhin Grund- und Haussteuer für unser altes Gehöft in Plufur, das wir seit 1998 bei Gelegenheit bewohnen.

Freunde aus der Nachbarschaft hatten uns eingeladen, mit Ihnen auf die Insel „Sein“ zu fahren. Die „Ile de Sein“ liegt sechs Kilometer vor der „Pointe du Raz“ im offenen Meer, nur zu erreichen mit einem seetauglichen Schiff oder dem Hubschrauber.

Auf unserem Weg zur einzigen Kirche – sie ist dem Bischof „Saint Guénolé“ aus dem 5. Jahrhundert geweiht – schauten wir ins Haus des Bürgermeisters rein – er ist für 400 Einwohner zuständig. Wir wurden herzlich aufgenommen und mussten für ein Foto vor dem mächtigen Wandgemälde des ehemaligen Staatschefs „General de Gaulle“ hinter dem Schreibtisch des Bürgermeisters Platz nehmen.

Charles de Gaulle hatte im Juni 1940 von London aus aufgerufen, gegen die deutschen Besatzer Widerstand zu leisten. Und die ersten Franzosen, die seinem Aufruf folgten, waren Bretonen von der „Ile de Sein“.

Marienfahne getragen

Unser Weg zur Kirche führte in die katholische Sonntagsmesse, die ein Gastpfarrer hielt. Als wir uns verabschieden wollten, wurden wir Nichtfranzosen und Protestanten gebeten, die Marienfahne für das anschließende Patronatsfest zu tragen. Eine überschaubare Menge der Gläubigen zog zur Anlegestelle der Schiffe, um dort das Meerwasser zu weihen und zu Saint Guénolé zu beten, dass keine unheilträchtige Sturmflut die Insel überfluten möge, wie im vergangenen Jahrhundert viermal.

Auch als deutscher Tourist und als evangelisches Pfarrehepaar, deren Väter einst in der Bretagne und anderen Orts Krieg in Hitlers Namen führten, haben wir uns eingeladen gefühlt. Wir haben erlebt, dass der Wochenspruch für die kommende Woche auch uns gilt: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“. Epheser 2, 19.

Ich wünsche Ihnen an Ihrem Urlaubsort entsprechende Erfahrungen. Gott begleite Sie als „Mitbürger der Heiligen“ und seiner „Hausgenossen“.

Dirk Römer,

Pfarrer im Ruhestand, Lorsch

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