Kirche

Helden oder Opfer?

Archivartikel

Helden setzen sich unerschrocken und mit Mut für ihre Sache ein. Für ihre Taten werden sie bewundert. Soldaten wurden gerne als Helden bezeichnet. Zahlreiche Kriegerdenkmäler würdigen die Gefallenen der Kriege als die „Helden der Nation“. Vor allem die Mahnmale des Ersten Weltkrieges heben hervor: „Für Deutschlands Ruhm und Ehre.“

Dem Nationalsozialismus galten die toten Helden des Ersten Weltkrieges als Vorbilder für die Soldaten des zweiten „großen Krieges“. Nach dessen Ende im Jahr 1945 wurde auf den Neubau von Kriegerdenkmälern weitgehend verzichtet. An alten Gedenkstätten ergänzte man einfach die Namen der neu hinzugekommenen Gefallenen. Und meist steht nun über der Totenliste in großen Buchstaben „Gedenken an alle Opfer des Krieges“. Helden wurden plötzlich zu Opfern. Ihnen werden auch die hinzugerechnet, die durch Krieg, Völkermord und Vertreibung ihr Leben verloren haben.

Noch immer gibt es Diskussionen darüber, wie insbesondere der Gefallenen deutschen Soldaten gedacht werden soll. Waren es nun Helden oder sind es Opfer? Nach wie vor werden patriotische Rituale zum Gedenken hochgehalten. Und es gibt immer noch eine Heroisierung der Gefallenen.

Viele Historiker stimmen zudem dafür, die Soldaten nicht nur auf die Opferrolle zu reduzieren. Viele seien eben auch gern Soldat gewesen und hätten mit Überzeugung gekämpft. Nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegen in Deutschland Trauer, Gedenken und Mahnung als die Haltungen gegenüber den Toten der Kriege. 1952 wurde der Volkstrauertag eingeführt. Er erinnert ungeachtet der Bewertung der Gefallenen an alle Kriegstoten und bezieht die weltweiten Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft mit in die Erinnerung ein. Das stille Erinnern und Bewusstwerden ist wichtige Voraussetzung dafür, neuer Gewalt und Krieg den Boden zu entziehen. Wahre Helden sind eben nur diejenigen, die sich unerschrocken und mit Mut für Frieden einsetzen – ohne Waffen und ohne andere zu Opfern zu machen.

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