Kirche

Herbstzeit ist Erntezeit

Archivartikel

Das geistliche Wort

Kalendarisch beginnt in diesen Tagen die Phase des Erntens und Sammelns: der Herbst. Es ist die Zeit im Jahr, die am farbigsten und geruchsintensivsten ist, gleichzeitig aber auch voller nachdenklicher Schwermut sein kann. Wir nehmen – ebenso wie auch die übrige Natur – Abschied, lassen los und versuchen der zunehmenden Dunkelheit standzuhalten.

Paulus, der große christliche Denker, schreibt in den 50er Jahren des ersten Jahrhunderts einen Brief an die Christen in Kleinasien. Er bezieht die Erntezeit auf uns Menschen mit all dem, was unser Leben ausmacht – was wir denken, sagen und tun: „Irrt euch nicht! Ihr könnt euch nicht über Gott lustig machen! Ihr werdet genau das ernten, was ihr gesät habt.“ (Galater 6,7). Ein tiefer Ernst, ja ein geradezu strenger Ton liegt in seinen Worten. Die Art und Weise, wie wir uns verhalten und wie wir handeln, wird unweigerlich Folgen haben und unterliegt dem uralten natürlichen Gesetz der Wechselwirkung.

So, wie die Jahreszeiten einander folgen, so werden wir auch das zu spüren bekommen, was wir entschieden und getan haben. Und nichts davon lässt sich ungeschehen machen, verbergen oder schönreden. Zwar ist nicht alles davon für uns Menschen sofort und auf den ersten Blick sichtbar, vor Gottes Augen jedoch hängen Ursache und Wirkung deutlich zusammen und liegen offen zutage. Das macht den Ernst dieser Gedanken von Paulus aus.

Glaube, Vertrauen und Zuwendung haben ebenso Konsequenzen auf unser eigenes weiteres Leben und die Zukunft der Welt wie auch das, was wir Entfremdung, Trennung oder Sünde nennen. Wenn wir uns im heilsamen Wirkungsbereich von Christus aufhalten, wird sich unser Leben dementsprechend entfalten und wir gehen menschlich und empathisch miteinander um. Wenn dagegen das, was wir denken und fühlen, von Egoismus, Gier und Herrschsucht geprägt ist, sind die Konsequenzen für unsere Gemeinschaften und die Natur schmerzhaft und hart.

Paulus macht uns mit seinen Gedanken Mut, die sehr große Freiheit, welche jedem uns eingeräumt ist, vorausschauend, klug und verantwortungsvoll zu gebrauchen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche und gesegnete Erntezeit !

* Der Autor Reinald Engelbrecht ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Beedenkirchen.

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