Kirche

Ihr schafft es!

Archivartikel

Das geistliche Wort: Zum Jahreswechsel spricht unser Autor den Erschöpften neue Kraft zu.

Liebe Leserinnen und Leser! Fast 365 Tage liegen hinter uns. Und gar mancher ist schlapp geworden. Die Herausforderungen waren zu hart. Ich denke an Ehepartner, denen ein geliebter Mensch verstarb. Aber auch an Freunde, denen der Arbeitsplatz gekündigt wurde. Oder Familien, die verzweifelt nach einer Wohnung suchen. In der Bibel heißt es „Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen“. Jesaja, der Prophet des 6. Jahrhundert, hat diese Zeilen geschrieben.

Er nimmt damit die Situation der Menschen in Babylon auf, fern der Heimat mit ungewisser Zukunft. Auch bei uns gibt es Frauen und Männer, Kinder und Alte, denen die Luft auszugehen droht, die verzweiflen, die sich hinter Schutzwällen zu verkriechen suchen.

Als ich letzthin in der Lampertheimer Domkirche das Konzert der Dekanatskantorei Ried „Wie liegt die Stadt so wüst“ erlebte – es war der Rückblick auf die Zerstörung der großen Pedigtkirche an der Römerstraße vor 75 Jahren –, ließen mich die gesungenen Worte des Bass-Solos von Michael Roman aufmerken: „Deine Sonne soll nicht mehr untergehen, noch dein Mond den Schein verlieren, denn der Herr wird dein ewiges Licht sein und die Tage deiner Leiden sollen ein Ende haben“.

Das war ein überraschendes Trostwort im Gesang. Es erinnert mich an den zweiten Teil des Jesajaspruchs für diesen Tag: „Aber die auf den Herrn harren , kriegen neue Kraft. dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden“ (Jes. 40. 30-31).

Die Theologen sagen, dies sei die Stimme des zweiten Jesajas. Er will seinen nach Babylon verbannten Genossen Mut machen. Es ist ein starkes Bild aus dem Tierbereich, das er benutzt, um Stärke den Erschöpften zuzurechnen. Am Wechsel von 2019 zu 2020 möchte auch ich Männern und Frauen, Älteren und Jüngeren neue Kraft zusprechen. Ihr schafft es! Aus dem Tief kommt ihr als Gerettete heraus. Wie die einst zerstörte Lampertheimer Predigtkirche mit ihrer wunderbaren blauen Orgel werdet auch ihr im Glanz der frohen Botschaft erstrahlen. Die Hoffnung auf ein gelingendes Leben wird euch geleiten. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag zwischen den Jahren und einen fröhlichen Jahreswechsel.

* Der Autor Dirk Römer ist Pfarrer im Ruhestand, wohnt in Lorsch und war Seelsorger der Heilig-Geist-Gemeinde Heppenheim.

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