Kirche

Im Geringsten Jesus Christus erkennen

Archivartikel

Das geistliche Wort – Autorin Tabea Graichen ermutigt zu mehr geschwisterlicher Nächstenliebe

Die geringsten Schwestern und Brüder“ begegnen uns an diesem Wochenende im Bibelwort für die Woche nach dem 26. August. In einer Beispielgeschichte erzählt Jesus im Neuen Testament: Was wir für diese Menschen tun – er nennt sie Schwestern und Brüder –, das haben wir ihm getan.

Geschwister sind sie für Jesus – und für uns: Alle, die wenig beachtet werden. Alle, die zu uns fliehen, weil in ihrer Heimat Leben und Auskommen bedroht sind. Alle, die nicht (mehr) mithalten können im Tempo einer Gesellschaft, die scheinbar nur Gesunde und Leistungsfähige wahrnimmt.

Was für eine Aufwertung all unserer Begegnungen mit Menschen, die wenig Platz in unserer (Leistungs-) Gesellschaft haben. Und was für eine Herausforderung an uns, sie zu sehen und ihnen achtsam zu begegnen!

Da ist der bettelnde Mann beim Kerwefest. Die meisten schauen weg, wenn er sich ihnen nähert. Bevor ich reagieren kann, sehe ich einen jungen Mann auf ihn zugehen und ihn zu einer warmen Mahlzeit einladen. Er nimmt dankend an und verspeist fröhlich seine Bratwurst. „Ich habe ausreichend zu essen, da kann ich doch heute etwas abgeben“, sagt der junge Mann in die Runde der ihn beobachtenden Menschen.

Nicht selbstverständlich

Ich freue mich über solche Achtsamkeit und spüre, sie ist nicht selbstverständlich.

Die Familie aus Syrien, die ins Nachbarhaus eingezogen ist, bekam im Mai Nachwuchs. Als ich davon im Gottesdienst erzähle, kommen am Ausgang junge Familien auf mich zu und fragen, was gebraucht wird. Das Kinderbettchen steht wenige Tage später in der Wohnung der Familie.

Zwei kleine Beispiele. Sie kosten höchstens Überwindung. Davon brauchen wir eine Portion in diesen Zeiten, in denen mir scheint, jeder ist sich selbst der Nächste. Was wir diesen Geschwistern tun, die uns und unsere Achtsamkeit, unser offenes Herz und offene Ohren, unsere Hände, die abgeben, benötigen. Was wir ihnen tun, das sieht Christus an, als hätten wir es ihm getan.

Im Neuen Testament benennt er die konkreten Situationen: zu essen und zu trinken geben, kleiden, im Krankenhaus besuchen, in Gefängnisse gehen, Heimat geben.

Als kenne er unsere heutige Zeit und ihre Menschen: die, die Hilfe und Unterstützung brauchen und die, die sie geben können. Machen wir uns auf und tun wir ihnen, was Christus ansieht, als hätten wir es ihm getan. So werden wir eine geschwisterliche Gemeinschaft von Menschen, wie Gott sie gewollt und geschaffen hat.

* Die Autorin Tabea Graichen ist Pfarrerin in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Affolterbach.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel