Kirche

In Demut steckt Mut

Archivartikel

Geistliches Wort: Pfarrer Matthias Lich wünscht sich mehr Demut und Menschlichkeit in der heutigen Welt.

Manchmal gibt es das: Angesichts verschiedener Erlebnisse und Beobachtungen kommt man ständig auf ein Wort, das diese Dinge treffend kommentiert. Beim Beobachten politischer Hahnenkämpfe (oder soll man sagen Kindergartentheater?) unter dem Vorwand des Streits um Sachfragen, beim Anschauen sich windender, heulender Fußballstars, die den sterbenden Schwan markieren, gleich anschließend aber eine Blitzheilung erfahren und aufspringen, oder auch beim Erleben von Besserwisserei, die sich jeglicher Argumentation verschließt und damit jede Streitkultur im Keim erstickt (auch in der Kirche!), fällt mir ständig dieses alte, scheinbar verstaubte Wort Demut ein.

Sich selbst zurücknehmen, auch dem anderen etwas zutrauen, in dem Wissen, dass nicht alle Bedeutung und Weisheit auf meiner Seite gebunkert ist – das wäre in vielen Fällen sehr hilfreich!

Demut heißt übrigens auf Latein „humilitas“, hat etwas mit der Erde zu tun, von der wir laut biblischem Schöpfungsbericht alle genommen sind, und ist ganz eng verwandt mit der „humanitas“, der Menschlichkeit. Demut ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Wissen, woher man kommt.

Gott reicht uns die Hand

Dabei geht es nicht darum, sich klein zu machen, vielmehr umgekehrt darum, sich von Gott groß machen zu lassen. Gott reicht uns die Hand, wird selbst Mensch, auf dass wir groß werden. Da brauche ich mich nicht selbst in lächerlicher Weise aufzublasen (siehe oben). Noch dazu geschieht das immer auf Kosten anderer, die ebenfalls von Gott geliebte Menschen sind. Im Deutschen ergibt es sich, dass in Demut der Mut steckt. Dieser ist tatsächlich nötig, wenn ich mich zur Demut entschließe.

Unsere heutige Zeit fordert eher die Selbstdarstellung und Profilierung. Trotzdem: Demut kann uns auf den Boden (Erde!) der Tatsachen zurückholen. Wer demütig ist, darf sich Fehler zugestehen, muss nicht alleine die Welt retten und kann herrlich unperfekt sein. Diese Haltung erleichtert das Leben ungemein!

Und übrigens: Wer demütig ist, muss nicht immer Weltmeister werden, kann auch ein Amt abgeben und wird Menschen in Not immer zuerst als Menschen sehen, nicht nur als Zahlen und Kontingente.

Matthias Lich ist Pfarrer der katholischen Gemeinde „Erscheinung des Herrn“ in Heppenheim.

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