Kirche

Kein Weg an der Mitte vorbei

Archivartikel

Er gilt als das Herz des Klosters: der Kreuzgang. Alle Gebäude, die einer Ordensgemeinschaft zur Verfügung stehen, gruppieren sich um diesen Innenhof. Die Säulen und Arkaden sind oft reich verziert, der Rundgang in der Regel überdacht. Alles umgrenzt den zum Himmel offenen Innenhof, der manchmal auch als Kräutergarten oder auch Friedhof dient. Die Anlage ist schön gepflegt und hat einen Brunnen in ihrer Mitte.

Die Gestaltung – wohl nach dem Vorbild des Atriums der römischen Villa – soll an den Paradiesgarten in der Schöpfungsgeschichte erinnern und hält zugleich das Bild des Neuen Jerusalems der biblischen Offenbarung vor Augen.

Kreuzgänge vermitteln eine ausgesprochene Ruhe und meditative Stille. Am zentralen und doch zugleich ruhigen Ort des Klosters kreuzte und kreuzt sich das alltägliche Leben der Mönche und Nonnen.

Jeder Gang soll über diese architektonische Mitte und damit auch zur eigenen Mitte führen. Ein Wechsel von einem zum anderen Ort ist nur über die zentrale klösterliche Anlage möglich.

Kreuzprozessionen, die in solchen Gängen stattfanden, begründeten den Namen „Kreuzgang“. Das Wandeln durch die Arkaden wird von Ordensgemeinschaften noch immer zu liturgischen Prozessionen und Lesungen genutzt. Für einzelne Besucher dient der Kreuzgang inmitten des Alltags vor allem der Ruhe und der Reflexion.

Die heute bekannte Form und Funktion der zentralen klösterlichen Anlage hat sich Ende des ersten Jahrtausend entwickelt – vor allem in benediktinischen und zisterziensischen Klöstern.

Waren Kreuzgänge zunächst noch sehr schlicht gehalten, sind sie schon in der Gotik meist gewölbt, mit Fresken ausgemalt und die Arkadenbögen mit Verzierungen versehen. So sollte der Sinn des Kreuzgangs, Ausdruck und Ort der „Mitte des Lebens“ zu sein, noch stärker hervorgehoben werden.

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