Kirche

Kultur des Erinnerns unverzichtbar

Kirchenvertreter und Rabbiner betonen bei Treffen in Frankfurt die Bedeutung des öffentlichen Eintretens für das Gedächtnis an Opfer.

Angesichts der Kritik von Rechtspopulisten haben Kirchenvertreter und Rabbiner bei einem gemeinsamen Treffen in Frankfurt die Bedeutung von Erinnerungskultur betont. „Die Lehre aus der Geschichte ist: Völkermorde sind geschehen, also können sie wieder geschehen“, betonte Andreas Nachama, der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, in einer Mitteilung. „Unsere Aufgabe – aller, die heute leben – ist es doch, dafür zu sorgen, dass so etwas möglichst nie wieder geschieht.“ Indem die Kirche öffentlich für das Gedächtnis der Opfer der Geschichte eintrete, verhindere sie den „endgültigen Tod durch das Vergessen“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr, Vorsitzender der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum, forderte zudem einen kritischen Blick auch auf kirchliche Traditionen und das Erbe antijüdischer Vorurteile zu überwinden: „Da haben wir in der Kirche noch einen weiten Weg vor uns - auch in der Verkündigung und Katechese, denn viele Katholiken haben noch falsche Vorstellungen vom Judentum.“

Auf eines legte der Frankfurter Rabbiner Julian-Chaim Soussan von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands allerdings besonderen Wert: Juden dürften in der öffentlichen Wahrnehmung nicht auf eine Opferrolle festgelegt werden. Es gelte vielmehr, „den Reichtum der jüdischen Tradition und die Lebendigkeit des gegenwärtigen Judentums stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern“. dpa

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