Kirche

Mehr Bescheidenheit

Archivartikel

Geistliches Wort: Dekanatsreferentin Renate Flath wünscht sich für die katholische eine Haltung der Demut und ein weniger auftrumpfendes Auftreten.

Weihnachtsansprachen von Kirchenleuten werden gerne in den Medien zitiert. Und das ist gut so, denn viele interessieren sich für die Botschaft der christlichen Kirchen. Eine Kolumne wie diese hier, mit christlichem Inhalt, findet sich in so manchem Presseorgan, nicht nur an der Bergstraße. Das ist eine Bereicherung des Printmediums, und die Reaktionen von Leuten in der darauffolgenden Woche zeigen: das geistliche Wort in der Zeitung wird gelesen.

Eine gewisse Überheblichkeit

Was mich beschäftigt: Auf welche Art und Weise sollten wir als Christen in der heutigen Gesellschaft präsent sein? Wir kommen aus einer Zeit, wo wir Christen geglaubt haben, die gesellschaftliche Debatte allein bestimmen zu dürfen oder zumindest die Hauptrolle zu spielen. Das führte bei dem einen oder anderen Kirchenmensch zu einer gewissen Überheblichkeit.

Ich kann hier nur für meine katholische Kirche sprechen. Im letzten Herbst wurde die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche in Deutschland herausgebracht. Oft, viel zu oft ist die Kirche ihrem eigenen moralischen Anspruch nicht gerecht geworden. Sie hat kläglich versagt, als sie Verbrecher gedeckt und Opfer nicht angehört hat. Das ist ein sehr beklagenswerter Zustand und durch nichts zu entschuldigen.

Was jetzt folgen sollte, ist eine gründliche Aufarbeitung, auch durch unabhängige Stellen. Spätestens jetzt ist die Hauptrolle als moralische Instanz der Gesellschaft sehr angeschlagen. Für viele ist sie ganz verspielt worden, sozusagen vom Spielplan abgesetzt.

Für alle Menschen eintreten

Ich finde, wir als Kirche, und damit meine ich uns alle, sollten noch mehr als zuvor eine Haltung der Demut und Bescheidenheit einnehmen. Wir haben etwas zu sagen. Wir sollten weiter für die Würde von Menschen eintreten, überall da, wo sie droht verletzt zu werden. Aber das nicht in auftrumpfender Weise, sondern zuhörend und gemeinsam mit allen Zeitgenossen, denen das Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft ebenfalls ein Anliegen ist. Ob sie nun gläubig sind oder nicht.

* Renate Flath ist Referentin im katholischen Dekanat Bergstraße-Mitte.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel