Kirche

Mit Gott über Mauern springen

Das geistliche Wort

Am 9. November 1989 – genau vor 30 Jahren – fiel die Berliner Mauer. Für viele Menschen bleibt dieser Tag unvergessen. Überall in Deutschland erinnern heute Gedenkfeiern an diesen wichtigen Tag unserer Geschichte.

Wer damals nicht live dabei sein konnte, der verfolgte über Radio und Fernsehen die Ereignisse in Berlin: Menschen kletterten auf die Berliner Mauer, warfen jubelnd die Arme in die Höhe, schwenkten Fahnen, umarmten sich oder begannen sogar zu tanzen.

Unzertrennlich mit dem Fall der Berliner Mauer ist das Lied „Wind of Change“, das die deutsche Band „Skorpions“ vor dem Brandenburger Tor mit 166 Cellisten aus aller Welt spielte und das so zur Hymne der Wende wurde. Der Text des Liedes sprach den Menschen aus der Seele und erzählt vom Wind der Veränderung, dem Wind des Wandels, von Wind, der den Menschen wieder Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben und auf ein gutes Miteinander geben kann.

Am 9. November 1989 spürten die Menschen, dass Veränderung in der Luft lag und hofften, dass sich ihre Welt nun zum Besseren verändern würde.

Ein christliches Lied mit Text und Musik von Herbert Adam, das auf dem Psalm 18 aufbaut, besingt ganz schwungvoll einen ähnlichen Zustand. Ein Mensch setzt sein Vertrauen und seine Hoffnung allein auf Gott, um menschlich gesehen sogar das Unmögliche zu schaffen:

„Mit meinem Gott springe ich über Mauern, mit meinem Gott stell ich die Welt auf den Kopf. Mit meinem Gott, mit den Schwestern und Brüdern, bauen wir auf unsrer Erde, bauen wir an seinem Reich.“

Im Leben eines jeden Menschen gibt es immer wieder Mauern, die unüberwindbar erscheinen: Ein schwerer Schicksalsschlag, eine unzumutbare Entscheidung, Ängste, Feindschaften, unausrottbare Vorurteile, eine böse Erkrankung, das Sterben, der Tod. Immer wieder richten wir Mauern um uns auf, um uns zu schützen. Immer wieder verhindern die Mauern, die uns umgeben, Begegnung, Gemeinschaft, Leben. Welche Mauern scheinen in Ihrem Leben unmöglich und unüberwindbar?

Ich persönlich möchte im Vertrauen auf Gott immer wieder neu den Sprung über meine Mauern wagen. Dazu ist mir an diesem Wochenende der Heilige Martin ein gutes Vorbild, der nicht viel fragte, sondern einfach da anpackte, wo er Not sah und spürte. Durch das Teilen des Mantels überwand Martin die Mauer der Armut und der Gefühllosigkeit. Mit seinem Mitgefühl, seiner Menschlichkeit und seinem Vertrauen in Gott sprang er über Mauern seiner Zeit. Jemand, der aufbricht, will die Mauern auf seinem Weg überwinden. Brechen wir auf!

* Der Autor Äneas Opitek ist Seelsorger der Katholischen Pfarrgruppe Fehlheim-Zwingenberg und gehört dem Franziskaner-Orden in Bensheim an.

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