Kirche

Nicht die Welt retten, aber . . .

Archivartikel

Das geistliche Wort – Autor Christoph Sames fordert zum Teilen auf, damit Licht und Freude in die Dunkelheit der oft kalten und unmenschlichen Welt fällt.

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.“ (Lukas 12,48)

* Auch Geschichten, die aus der Zeit gefallen sind, können mich für meine Zeit nachdenklich machen und zum Handeln bewegen, so wie die folgende jüdische Legende:

Es waren einmal zwei reiche Kaufleute, die hießen Akiba und Tarphon. Tarphon war aus einem reichen Haus und hatte nie die Armut kennen gelernt. So vergaß er die Armen und verbrauchte seinen ganzen Reichtum nur für sich. Akiba aber war Kind armer Leute gewesen und wusste, wie bitter die Armut ist. So verwandte er einen großen Teil seines Geldes dazu, die Not anderer Menschen zu lindern.

Weil er seinen Freund Tarphon liebte, tat es ihm weh, dass dieser niemals etwas für die Armen gab. Eines Tages ging er zu seinem Freund und erbot sich, für ihn ein prächtiges Landgut zu einem günstigen Preis zu erwerben. Tarphon war erfreut über die günstige Gelegenheit und gab Akiba eine große Summe Geld. Der aber ging damit ins Armenviertel und verteilte es unter die Bedürftigen. Nach einiger Zeit wollte Tarphon sein Landgut besichtigen, und Akiba nahm seinen Freund mit in das Armenviertel. „Hier soll das Gut sein, von dem du mir vorgeschwärmt hast?“ fragte Tarphon überrascht. „Ich habe dein ganzes Geld an die Armen verteilt! Komm, lass uns dein Gut ansehen“, sagte Akiba. In einer schmutzigen Gasse traten sie in ein Haus. Drinnen war es finster, kein Tageslicht drang in das ärmliche Zimmer. Nur ein Herd brannte, ein Tisch und ein Stuhl standen im Raum. „Warum hast du diesen Menschen nichts gegeben?“ „Ich habe ihnen gegeben“, antwortete Akiba, „früher war der Herd kalt, der Topf leer und die Leute lagen auf der Erde!“

In einem anderen Haus trafen sie einen Studenten, der beim Schein der Kerze in einem Buch las. „Warum hast du diesem Jungen nichts gegeben?“ „Ich habe ihm etwas gegeben. Früher hatte er weder ein Buch noch ein Licht, und er konnte überhaupt nicht studieren, sondern musste als Tagelöhner arbeiten!“ sagte Akiba. So gingen sie weiter. Und das Entsetzen Tarphons wurde immer größer, als er begriff, wie viel Elend und Not es in seiner Stadt gab. Er schämte sich, dass er bisher so wenig für die Armen getan hatte. Auf dem Nachhauseweg fragte Akiba: „Nun, wie gefällt dir das Landgut, das ich für dich gekauft habe?“ Da senkte Tarphon seinen Blick und meinte: „Ich werde deine Lehre beherzigen und noch viele prächtige Landgüter erwerben, um anderen Menschen in ihrer Not zu helfen!“

Lieber Leser! Wir werden nicht die Welt retten, aber wir können etwas von dem, was wir haben oder was uns zur Verfügung steht einbringen, damit Licht und Freude in die Dunkelheit unserer oft kalten und unmenschlichen Welt fällt. Vielleicht müssen wir uns dazu auch aufmachen wie Akiba und Tarphon.

* Der Autor Christoph Sames ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Seeheim-Malchen.

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