Kirche

Sie gehören zur Gemeinde

Archivartikel

Das geistliche Wort

Ich bin glücklich“ sagte mein Tischnachbar. Wir hatten erst eine Stunde zuvor seine beiden jüngst geborenen Buben, Jonatan und Natnael, getauft. Das ist jetzt gerade zwei Monate her. Es war in der Pfarrkiche St. Peter, der Dom der Bergstraße, wie die Heppenheimer selbstbewusst sagen.

Die orthodoxen Eritreer aus dem Kreis Bergstraße, die sonst ihre Gottesdienste in Heilig-Geist feiern, waren zu Gast. Die weiträumige Kirche ist an diesem Samstag brechend voll, Schuhe hatten Jung und Alt im Vorraum abgestreift, links und rechts in den Bänken saßen Männer und Frauen, weißes Leinen über die Schultern geschlungen und Tücher umhüllen den Kopf.

In der engen Taufkapelle werden annährend fünf Babys nackt in eine Wanne getaucht. Eltern und Paten schauen zu, während die Priester das Kreuz über sie halten und die Kinder segnen. Kerzen en masse. Auf die Stirn mit Öl ein Kreuzeszeichen. Drinnen, in der Messe betet die Gemeinde und lobpreist mit Hymnen Gott.

Dann, als die Ikonen-Wand sich öffnet und das Heiligste von drei festlich gewandeten Geistlichen herausgetragen wird, werden die neu Getauften, die größeren Kinder und Erwachsene, die nicht selbständig laufen können, nach Vorne gebracht. Eine schier endlose Schlange. Heiliges Wasser gibt es zu Kosten, Tropfen für die Kleinen und Gläschen für die Großen. Sie gehören nun zur Gemeinde.

Im Marienhaus nebenan ist kein Vorankommen wegen der vielen Kinderwagen. Injera, die traditionelle eritreische Speise, Pfannkuchen, Gemüse und Fleisch, sind vorbereitet, doch zuerst wird am Tisch der zahlreichen Priester das Abendmalsbrot gesegnet und gebrochen. Ein frohes Essen beginnt. Der eine oder andere „füttert“ seinen Nachbarn mit einem Brothappen. Tafelwasser, aber auch Bier und Wiskey werden herumgereicht.

Die ehemalige Küsterin von „Heilig-Geist“, ebenfalls als Gast geladen, sagt bewundernd: „So ist Gemeinde!“ und als Pfarrer lese ich für mich die Herrnhuter Tageslosung: „Groß sind die Werke des Herrn; wer sie erforscht, der hat Freude daran. (Psalm 111,2)

Ja, das stimmt. Die Werke des Herrn sind groß. Und wenn man über den eigenen Tellerrand hinwegschaut, dann haben Mann oder Frau Freude an jedem neuen Tag. Konkret: Das Christentum stirbt in Deutschland nicht aus, auch wenn es sein Gesicht teilweise ändert.

Wir Alt-Forderen müssen nur fähig sein, hinzuschauen, was um uns positiv geschieht. Ich denke an die Herrnhuter-Brüdergemeinde, die Hugenotten und Waldenser, die Rumänen und Polen, oder wo immer sie her kommen, sei es aus Vietnam, Syrien oder Afrika. Sie sind hier heimisch geworden. Sie gehören zu Gottes „Werken“; an den wir „Freude“ haben können.

* Der Autor Dirk Römer ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und wohnt in Lorsch.

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