Kirche

Suche Frieden und jage ihm nach

Das geistliche Wort

Am vergangenen Sonntag vor 80 Jahren hat Deutschland den Zweiten Weltkrieg begonnen. Über 60 Millionen Menschen fanden in den folgenden sechs Jahren einen furchtbaren Tod. Und die christlichen Kirchen haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Weder die evangelische noch die katholische Kirche haben der Gewalt damals deutlich widersprochen. Aber es kann anders werden:

Vom 20. bis 23. August 2019 haben sich in Lindau am Bodensee 700 Delegierte aus verschiedenen Weltreligionen getroffen, um über gemeinsame Wege zum Frieden zu beraten: Hochrangige Religionsvertreter von Baha’i, Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Jainismus, Judentum, Islam, Sikh, Schintoismus, Taoismus und Zoroastrismus sowie von indigenen Gruppen, geeint durch das Anliegen, interreligiöses Handeln voranzutreiben und auf der Grundlage gemeinsamer Werte den Weg zum Frieden zu bereiten. Das Motto: „Für unsere gemeinsame Zukunft sorgen – das Gemeinwohl für alle fördern“.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Tagung eröffnet. Er sagte unter anderem: „Wir erleben bis heute an vielen Stellen der Welt, wie religiöse Gefühle und Überzeugungen und der menschliche Wunsch nach verlässlicher Orientierung in Gewalt gegen Andersgläubige oder sogenannte Ungläubige umschlagen können. Ob in Myanmar, Nigeria, Mali, ob im Nahen Osten, Indonesien, Pakistan: Wir erleben immer wieder, wie Religion sich – gerade durch den Einfluss zynischer und gewissenloser Anführer - als furchtbare, als buchstäblich gnadenlose Macht erweisen kann. (...) Religions for Peace macht Ernst mit der Überzeugung, dass Religionen kein Anlass mehr sein dürfen für Unfrieden und Krieg, sondern dass sie im Gegenteil Werkzeuge des Friedens sein können – und müssen. Sonst nämlich versagen sie vor ihrem eigenen Anspruch und verlieren ihre Glaubwürdigkeit.“

Die umfassende Leitfrage der Weltversammlung in Lindau waren: Was können die Religionen in Zeiten von Krieg, Intoleranz und Terror tun, um Konflikte zu transformieren, gerechte und harmonische Gesellschaften zu fördern und zu einer nachhaltigen Entwicklung und zum Schutz der Erde beizutragen?

Ich denke, das ist der richtige Weg. Religionen müssen sich gemeinsam für eine gute Zukunft einsetzen. Das Gegeneinander muss der Vergangenheit angehören. Gegenseitige Achtung, Respekt und Toleranz müssen wachsen. 80 Prozent der Weltbevölkerung gehören einer Religion an. Wenn diese Menschen verstehen, dass sie in ihren Religionen gemeinsam für Frieden und eine bessere Zukunft aufstehen, dann könnte am Ende gar eine Klimakatastrophe abgewendet werden, geschweige denn neue Kriege, von denen wir wahrlich genug hatten.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)

* Der Autor Tilman Pape ist Pfarrer für Ökumene und Mission im Evangelischen Dekanat Bergstraße.

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