Kirche

Tausend Kraniche für den Frieden

Das geistliche Wort

Suche Frieden und jage ihm nach.“ So lautet die Jahreslosung, das Jahresmotto der evangelischen Christen im neuen Jahr 2019.

In einer traurig-schönen und zugleich wahren Geschichte aus Hiroshima spielen Kraniche für den Frieden eine wichtige Rolle. Es ist die Geschichte von dem Mädchen Sadako.

Als das Unfassbare geschah und eine Atombombe auf die Stadt geworfen wurde, war Sadako nur zweieinhalb Kilometer von der Explosion entfernt. Viele ihrer Nachbarn starben oder wurden verletzt, doch Sadako schien unversehrt. So wuchs sie auf und konnte das schlimme Erlebnis recht bald hinter sich lassen.

Doch als sie zwölf Jahre alt war, wurde ihr beim Sporttraining plötzlich schwindelig. Die Ärzte stellten fest, dass auch sie die „Atombombenkrankheit“ Leukämie heimgesucht hatte. Sie musste im Krankenhaus bleiben. Chizuko, ihre beste Freundin, brachte Origami-Papier mit und zeigte ihrer kranken Freundin, wie man einen Papierkranich faltet. Dazu erzählte sie ihr eine japanische Legende:

Ein Kranich kann tausend Jahre alt werden. Wenn nun ein kranker Mensch tausend Papierkraniche faltet, so heißt es, wird er wieder gesund. Sadako faltete und faltete. Das gab ihr Kraft. Doch leider starb sie am 25. Oktober 1955. Bis dahin hatte sie 644 Kraniche gefaltet.

Den fehlenden Teil bastelten ihre Freunde und legten 1000 Kraniche für sie in ihr Grab. Außerdem wollten sie ihr ein Denkmal errichten.

Daraus wurde in vielen Schulen Japans eine große Bewegung. Schließlich wurde zu ihrem Andenken das „Kinder-Friedens-Denkmal“ drei Jahre später mitten im Friedenspark Hiroshima aufgestellt. Ein „Club der Papierkraniche“ wurde gegründet.

Wenn Politiker oder Friedenskämpfer nach Hiroshima kommen, werden sie von Mitgliedern des Clubs begrüßt. Ihnen werden Ketten von Papierkranichen um den Hals gehangen, zur Begrüßung und Erinnerung an Hiroshimas Geschichte.

Weltweit basteln Kinder noch immer Papierkraniche, die nach Hiroshima geschickt werden. Allein im letzten Jahr kamen etwa 14 Millionen Papierkraniche dort an. Eine eindrückliche Bewegung und Erinnerung daran, alles für den Frieden zu tun, an ihn zu glauben und für ihn zu kämpfen: Mit Worten, Taten und Gesten.

Sehr eindrücklich auch die Worte, die auf dem Granitsockel des Kinder-Friedens-Denkmals eingraviert sind:

„Dies ist unser Ruf

Dies ist unser Gebet

Frieden zu schaffen

in dieser Welt.“

Ich wünsche Ihnen friedvolle Begegnungen in diesem noch jungen Jahr 2019.

* Der Autor Markus Eichler ist Pfarrer der Evangelischen Auferstehungsgemeinde in Viernheim.

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