Kirche

Trauungen gleichgestellt

Wenn homosexuelle Paare kirchlich heiraten wollen, dann haben sie in den evangelischen Kirchen Hessens gute Chancen. In anderen Bundesländern gibt es zum Teil größere Widerstände.

Die evangelische Kirche in Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz stellt die Segnungen homosexueller Paare endgültig anderen Ehen gleich. Die Synode der evangelischen Kirche und Hessen und Nassau (EKHN) hat jetzt beschlossen, dass die Segnungen, die bereits seit 16 Jahren möglich sind, mit Beginn des nächsten Jahres offiziell auch Trauungen heißen.

Gleichzeitig schränkte die EKHN die Möglichkeit des Vorbehalts ein: Pfarrer können zwar weiterhin „aus seelsorgerischen Erwägungen oder Glaubensüberzeugungen“ Trauungen homosexueller Paare ablehnen. Sie dürfen das aber nicht mehr pauschal und im Vorhinein tun, sondern müssen sich mit jedem Einzelfall auseinandersetzen und ihn begründen, wie Kirchenpräsident Volker Jung erklärte.

Die EKHN hat knapp 1,5 Millionen Mitglieder in 1135 Gemeinden. Ihr Kirchengebiet reicht in etwa vom mittelhessischen Biedenkopf im Norden bis Neckarsteinach in Südhessen. Rund ein Viertel des Kirchengebiets liegt in Rheinland-Pfalz. Laut EKHN sind seit 2002 rund 320 gleichgeschlechtliche Paare vor den Altar getreten.

Die Bezeichnung „Trauung“ kann nach Angaben der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) auch in anderen Landeskirchen schon verwendet werden. Zuletzt hatte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg im November die „Trauung für alle“ beschlossen, wie EKD-Sprecher Carsten Splitt sagte.

„Wer einen Menschen desselben Geschlechtes liebt und kirchlich heiraten will, stößt je nach Landeskirche auf sehr unterschiedliche Regelungen“, heißt es in einem Überblicksartikel der EKD.

Am weitesten gingen bisher die Kirchen im Rheinland, Berlin-Brandenburg, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck, Baden, in der Reformierten Kirche und in der Nordkirche.

Die Delegierten billigten auf der EKHN-Synode auch den Etat für das kommende Jahr. Er beträgt rund 700 Millionen Euro.

Den größten Einzelposten bilden Personalkosten mit über 321 Millionen Euro. Aufgestockt werden die Stellen im Bereich Bau. Dafür seien fünf Millionen Euro und sechs zusätzliche Stellen vorgesehen, um den Sanierungsstau an Kirchengebäuden zu beseitigen, wie der Leiter der Kirchenverwaltung, Heinz Thomas Striegler, berichtete. dpa

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