Kirche

Ungeheuerliches am Werk

„Das ist mir nicht ganz geheuer“, sagen wir, wenn uns etwas verdächtig vorkommt und Unbehagen auftritt. „Geheuer“ stammt vom althochdeutschen Wort „hiuri“ ab. Es beschreibt etwas Freundliches, Liebliches. Dementsprechend ist das Ungeheure etwas, das dem Menschen unheimlich, grauenhaft und schrecklich vorkommt.

Kinder vermuten Monster und Ungeheuer gerne dann, wenn es ihnen unbehaglich wird. Da scheint etwas Außergewöhnliches am Werk zu sein, das Angst macht und bedroht, auch wenn ich es nicht sehe.

Dennoch ist die Macht so groß und gewaltig, dass ich mich offensichtlich nicht gegen sie wehren kann.

Wir sprechen von „ungeheuerlich“, wenn wir einem Phänomen begegnen, das weit über dem Üblichen liegt oder von der Norm abweicht. Wir sind emotional ergriffen und versuchen uns so von dem ungeheuerlichen Vorgang oder dem monströsen Werk zu distanzieren.

Ungeheuer selbst sind eigentlich lediglich Phantasietiere. Unser Hirn malt sich etwas aus, was sich offensichtlich durch Größe, Stärke oder auch Hässlichkeit hervorhebt. Es ist unheimlich, grausig. Gesehen werden die Ungeheuer selbst aber nicht. Unsere Fantasier macht daraus Schreckgestalten, die Angst einjagen und abschrecken.

Es gibt Menschen, die sich ungeheuerlich benehmen. Sie handeln wieder die Natur und distanzieren sich von der Gemeinschaft und deren Regeln.

Brutale und unsittliche Menschen wurden früher als Ungeheuer bezeichnet. Diese monsterähnlichen Skulpturen mit ihren Fratzen sind in der Angst vor dem Angriff böser Geister und Dämonen begründet. Die Furcht vor dem Bösen und vor Dämonen war bereits bei den alten Germanen und Kelten stark ausgeprägt. Angehörige beider Völker setzten sich bei Festen und Riten gerne fratzenhafte Masken auf. Sie wollten damit andere böse Geister vertreiben. Der Brauch ging vor allem in die Karnevalsbräuche über.

Ungeheuer an den Fassaden alter Kirchen hatten ebenso die Aufgabe, Böse, Geister und Dämonen vom Gotteshaus fernzuhalten. Sie sollten den Bedrohungen eine Art Spiegel vorsetzen, ihnen einen gehörigen Schreck versetzen, auf dass sie sich wieder verziehen mögen.

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