Kirche

Von guten Mächten

Das Geistliche Wort: Pfarrer Reinald Engelbrecht erinnert an die Kraft des Lobgesangs und seine Wirkung auf die Gläubigen

Singt dem Herrn und lobt seinen Namen! Verkündigt jeden Tag: Er ist ein Gott, der rettet ! (Psalm 96, Vers 2)

Dietrich Bonhoeffer hat in seinem berühmten Gedicht „Von guten Mächten“ anklingen lassen, dass er sich von Gott „...all deiner Kinder Lobgesang...“ zu hören wünscht.

Ein Gesang mit großer Hoffnung, die sich in der Gleichförmigkeit und Gottvergessenheit des Alltags zwar unsichtbar, aber doch deutlich spürbar auch in unserer Zeit ausbreitet.

Die „guten Mächte“ klingen wie eine stimmige Zusammenfassung all dessen, was wir Menschen uns in der so komplexen und schwer zu durchschauenden gegenwärtigen Welt insgeheim ersehnen.

Und Bonhoeffers Worte aus der Haft an seine Familie und seine Freunde daheim zeigen auch, welch gebündelte Kraft ein Lobgesang auf Gott entwickeln kann. Gerade in den Augenblicken, in denen einem ganz und gar nicht nach Loben und Danken zumute ist, zieht mit dem Singen eine andere Wirklichkeit in unser Leben ein.

Singende Gemeinschaft

Die christlichen Gemeinden waren von ihrem Anfang im ersten Jahrhundert an eine singende Gemeinschaft von Menschen. Den Verfolgern und Schergen im Auftrag des römischen Imperiums war das unheimlich.

Die ersten uns bekannten römischen Zeugnisse über ein frühchristliches Leben berichten davon, wie Menschen etwas verwirrt fragten: Was singen die Christusgläubigen da und warum?

In diesem neuen Jahr 2018 denken wir ganz speziell auch an die heute lebenden Christinnen und Christen, die im Nahen Osten, in Nordafrika und in Asien aufgrund ihrer Überzeugung diskriminiert, verfolgt, eingesperrt und getötet werden. In unseren säkularisierten westlichen Ländern ist es nur schwer vorstellbar, was es bedeutet, wenn Bibellesen verboten ist und Gläubige daran gehindert werden, einen Gottesdienst zu besuchen.

Kaum fassbar ist es, dass in zahlreichen islamisch geprägten Ländern jeglicher Wechsel des Glaubens lebensgefährlich ist. Wenn diese Menschen in ihren jeweiligen Sprachen von ihrem persönlichen Vertrauen, ihrer Erwartung und der erfahrenen Liebe singen, dann singen sie davon, dass die Welt nicht so sein muss, wie sie ist.

Und während sie singen, fängt diese Hoffnung schon an, Wirklichkeit zu werden.

Der Autor Reinald Engelbrecht ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Beedenkirchen.

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