Kirche

Was ist dir heilig?

Das geistliche Wort

Was ist dir heilig? Was ist dir so unheimlich heilig, dass du selbst alleine gegen 30 Mann kämpfst und es mit deinem Leben verteidigst?“

Diese Zeilen aus dem Poetry Slam von Marco Michalzik gehen mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf.

Natürlich ist mir meine Familie heilig. Ja, für sie würde ich auf jeden Fall kämpfen und für sie bin ich bereit, manches auf mich zu nehmen und auf einiges zu verzichten.

Was ist es noch, was mein Leben ausmacht? Wofür lohnt es sich zu leben und zu kämpfen?

Es ist die Natur, die Welt an sich, die mir heilig ist, die mir den Lebens-Atem schenkt – im direkten und im übertragenen Sinn. Ohne Luft, Wasser und Licht kein Leben, das weiß jeder. Aber ich merke auch, dass es mir einfach gut tut, wenn ich in der Natur bin. Und deshalb will ich Gewohnheiten hinterfragen und umdenken. Muss ich wirklich Auto fahren oder kann ich auch das Rad nehmen oder zu Fuß gehen? Muss das Licht brennen, wenn eh keiner in der Wohnung ist?

„Der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden“ (Ex 3,5), dieses kurze Zitat aus der Bibel klebt auf meinem Kalender. Zu Beginn des Jahres hat das Bibelwerk kleine Aufkleber verschickt und dieser hat mich angesprochen. Dieser Ort ist heilig, jeder Ort ist heilig, weil die Welt heilig ist. Weil sie einfach wunderbar ist.

Die Menschen sind mir heilig. Und dabei meine ich alle Menschen. Ich will ihnen in Liebe und Toleranz begegnen. Ich finde es immer wieder spannend, andere Sichtweisen und Kulturen kennenzulernen. Momentan lerne ich vor allem in der Flüchtlingshilfe immer neu dazu. Die eine Sichtweise, das eine Richtige gibt es immer weniger für mich. Dabei hat das nichts mit Gleichgültigkeit zu tun! Im Gegenteil: Ich merke, dass mir manches dadurch wichtiger geworden ist: Da wo Leben gefährdet ist, wo Intoleranz und Geschlechterdiskriminierung offenkundig werden, muss und will ich eintreten, denn Freiheit und Demokratie sind mir wichtig. Diese Werte sind mir heilig.

Warum ist mir das alles heilig?

Der Poetry Slamer Marco Michalzik formuliert es so: „Ich bin ihm heilig. Er ist mir heilig! Du bist mir heilig!“ Diese Welt ist für mich ein Geschenk. Ein Geschenk Gottes.

Ich bin ein Geschenk. Wir alle sind Geschenke, wertvolle Geschenke. Und weil wir so wertvoll sind und weil Gott so viel Liebe in uns hineingesteckt hat, deshalb ist mir diese Welt heilig.

* Die Autorin Janina Adler ist Pastoralreferentin der Katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Heppenheim. Die Quelle des Poetry Slams „Was ist dir heilig?“: www.liveworship.de.

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