Kirche

Winzerfest mal anders feiern

Archivartikel

Das geistliche Wort

An diesem Wochenende beginnt das beliebte Winzerfest in Bensheim. Seit 1929 kommen Einheimische und Gäste von Nah und Fern ins Winzerdorf, um bei gutem Wein und leckeren Speisen das Leben zu feiern. Es braucht viele fleißige Hände, damit sich Jahr für Jahr die Bensheimer Altstadt für mehr als eine Woche zu einer Festmeile für Jung und Alt verwandelt.

Vielen Menschen, die man das ganze Jahr über nicht gesehen hat, begegnet man in den gefüllten Straßen zwischen den verschiedenen kleinen und großen Ständen. Aber auch mit noch unbekannten Leuten kommt man leicht ins Gespräch und es entstehen neue Freundschaften.

An diesem Sonntag erzählt das Evangelium von einem ähnlich großen Fest. Jesus, der auf dem Weg nach Jerusalem ist, wird mit seinen Freunden dazu eingeladen. Auf dem Fest beobachtet er, wie sich die wichtigen Gäste diskret nach den ihnen zustehenden Ehrenplätzen bei Tisch umsehen. Damals speiste man in den gehobenen Kreisen nach griechischem Vorbild zu Tische liegend, wobei der erste Platz links war und sich die nächstwichtigen ihm anschlossen. Wer also gleich neben dem Gastgeber zu liegen kam, hatte sicher einen besonderen Rang. Ihm zu sagen, er solle ganz rechts außen Platz nehmen, war schon wie ein Schlag ins Gesicht.

Jesus sagt: „Wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf!“ Jesus möchte mit dieser Aussage bestimmt keinen Hinweis zur Tischordnung geben. Er möchte uns vielmehr zeigen, dass es in dem von ihm verkündeten Reich Gottes um andere Werte geht als um gesellschaftliche Rangordnungen.

Es geht um eine grundsätzliche christliche Haltung, die uns Jesus ans Herz legen will: „Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“ Die Demut, der Mut, sich klein zu machen, ist eine Haltung, die den Menschen im Reich Gottes groß macht. Diese Haltung möchte ich Ihnen für die Zeit des Winzerfestes besonders mit auf den Weg geben. Mit dieser Haltung werden wir unser Winzerfest bereichern und zu einem noch größeren Erlebnis machen.

Wo Menschen den Mut haben, sich klein zu machen und zu dienen im Verhalten gegenüber Gott, den Mitmenschen, sich selbst, aber auch gegenüber der ganzen Schöpfung, kann Großes entstehen. Ich denke, es lohnt sich auf jeden Fall, diesen Vorschlag Jesu auszuprobieren. Machen wir am Winzerfest einen Anfang, damit „Großes und Besonderes“ entstehen kann!

* Der Autor Äneas Opitek ist Seelsorger der Katholischen Pfarrgruppe Fehlheim-Zwingenberg und gehört dem Franziskaner-Orden in Bensheim an.

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