Kirche

Zeit der guten Vorsätze

Archivartikel

Frank Meessen denkt zum Jahreswechsel über gute Vorsätze nach – und über die Gewohnheit, die meist schon nach wenigen Tagen die Oberhand gewinnt.

Bei einem Jahreswechsel haben sie Konjunktur: die guten Vorsätze. Weniger rauchen vielleicht – oder besser gar nicht mehr. Sich mehr bewegen, statt immer gleich Auto fahren. Seinen Fernsehkonsum mal unter die Lupe nehmen und, und, und . . .

Vorsätze dieser Art sind vermutlich ebenso wenig originell wie weit verbreitet. Sie sind eine ausdrückliche Selbstverpflichtung, eine innere Aufrüstung gegen einen Gegner, der doch schon wenige Tage später wieder triumphiert über uns: die Gewohnheit. Und sie wird auch noch von der Hirnforschung bestätigt. Die sagt nämlich, dass unser Gehirn lieber in gewohnten Bahnen arbeitet, als neue zu betreiben.

Vielleicht sind Vorsätze auch so etwas wie eine Art Beschwörungsritual, das einer Verhaltensänderung zu Hilfe eilen soll. Oder mehr noch – und wer wollte das ausschließen – sind sie eine in guter Absicht und vor dem inneren Forum feierlich in Sprache verpackte Absichtserklärung, die so überzeugend, hehr und wahrhaftig klingt, dass die Umsetzung am Alltäglichen nebensächlich erscheint. Beides, der gute Vorsatz als Beschwörung oder als Alibi, sagen dann eher etwas über uns und wie wir als Menschen gestrickt sind. So sind wir nun mal.

Ich gestehe, dass ich mich mit guten Vorsätzen deshalb eher zurückhalte. Doch es gibt einen, der mir im Blick auf die Realität des Alltags immer wichtig geblieben ist. Ich denke oft an ihn, wenn ich das Gefühl habe, ich komme mit meinen Bemühungen nicht mehr weiter. Dann sage ich mir dieses kleine Sätzchen: „Es ist, wie es ist.“ Mit Resignation hat das nichts zu tun. Wenn es eher gilt, nicht mehr zu kämpfen und die Realitäten so anzuerkennen, wie sie sind. Tief durchzuatmen und diese Befreiung zu spüren, wenn der Druck nachlässt. Und ich dem da oben die Sache überlassen kann.

Daran weiterhin festzuhalten, das wäre mein Vorsatz, zum Jahreswechsel und an den 364 folgenden Tagen.

Dr. Frank Meessen ist Referent für Erwachsenenbildung in Heppenheim.

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