Kommentar

In der Sackgasse

Dirk Rosenberger über die neue Entwicklung in Sachen Bürgerhaus

 

Und jetzt? Nach der Präsentation des neuen Modells für ein saniertes Bürgerhaus müsste man eigentlich getreu der alten Monopoly-Weisheit festhalten: Bitte zurück auf Los – und wenn sich noch jemand findet, der dafür 4000 Euro springen lässt, dann immer her damit. Geld kann die Stadt gebrauchen.

8,88 Millionen Euro für einen Neubau auf den alten Grundmauern waren ohnehin schon eine stolze Summe für ein Vorhaben mit überschaubarer städtebaulicher Auswirkung auf das gesamte Viertel. Dass es nach den Einlassungen der Denkmalpfleger noch teurer wird, steht so gut wie fest. Die von Bürgermeister Richter lose definierte Schmerzgrenze von zehn Millionen Euro scheint daher keine völlige Utopie mehr.

Zeit also, um die Reißleine zu ziehen? Das wird kaum möglich sein. Mehr als zwei Millionen Euro hat man schon für das Großprojekt verausgabt, in der Koalitionsvereinbarung von CDU, GLB und BfB war das Bürgerhaus vor allem auf Betreiben der Bürger für Bensheim ein Hauptbestandteil. Ohne die Sanierungszusage von Schwarz-Grün wären die „Bürger“ nicht ins Bündnis eingestiegen. Aus der Sackgasse, in die man sich hineinmanövriert hat, scheint es keinen Ausweg zu geben.

Es kristallisiert sich jedoch immer mehr heraus, dass die Entscheidung für eine Modernisierung – im Glauben, man setze dabei den Bürgerwillen um – ein Fehler war. Auslöser war der Bürgerentscheid 2013. Es gab zwar keine rechtlich bindende Mehrheit. Aber die meisten, die abgestimmt hatten, sprachen sich für den Erhalt eines Gebäudes aus, das aber nach einer Sanierung nicht mehr viel mit dem 70er-Jahre-Bau gemein haben wird – Stichwort Werte erhalten.

Neubau städtebaulich besser

Ungeklärt bleibt ohnehin die Frage, wie viele sich damals (und heute) für eine Sanierung in Höhe von 8,88 Millionen Euro aussprechen würden. Vor allem, wenn man für eine ähnlich hohe oder geringfügig höhere Investition einen Neubau auf dem Hoffart-Gelände mit gemeinsamem Foyer zum Parktheater bekommen könnte – plus Wohnbebauung am jetzigen Bürgerhausstandort. Städtebaulich die bessere Lösung, aber bedauerlicherweise Schnee von gestern. Nach der hoch emotional geführten Debatte vor fünf Jahren mit entsprechendem Ausgang des Bürgerentscheids traute sich kommunalpolitisch niemand mehr an einen Neubau heran. Erster Stadtrat Helmut Sachwitz als Verfechter eines Neubaus, der frühzeitig eine Sanierung für wenig Geld bei gleicher Optik für nicht umsetzbar hielt, darf sich nun mit Verspätung bestätigt fühlen. Allein es rettet den Krieg nicht mehr.

Die Entscheidungsträger werden den eingeschlagenen Weg durchziehen müssen, koste es letztlich, was es wolle. Es sei denn, man kommt zur Erkenntnis, dass es ein Bürgerhaus überhaupt nicht braucht. Aber das ist ein mindestens genauso heikles Thema wie ein Neubau.

Nicht zu beneiden ist dabei Architekt Matthias Losacker, der im Spannungsfeld der Interessen und in der Auseinandersetzung mit den Behörden das Beste aus einer verfahrenen Situation für Bensheim herausholen muss.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel