Lautertal

Heimatgeschichte Im Rathaus wird die Geschichte des Lauterner Chemiewerks präsentiert

Ausstellung über die Blaufabrik

Archivartikel

Lautertal.Alles zur Produktion in der Blaufabrik in Lautern und zum späteren Chemiewerk der Deutschen Advance-Produktion (DAP), später Ciba-Geigy Marienberg, ist haarklein in handschriftlichen Aufzeichnungen von Erika Bickelhaupt festgehalten. Die inzwischen 83-Jährige und ihr 86-jähriger Ehemann Willi waren in den 50er-Jahren Laboranten in der Blaufabrik.

Erika Bickelhaupt, deren Urgroßvater schon dort gearbeitet hatte, hat unter anderem alles zum aufwendigen Produktionsprozess des Ultramarins, dessen Zusammensetzung und Verwendung aufgeschrieben und dieses Wissen auf Wunsch der Mittelpunktschule Gadernheim im Chemie-Unterricht vermittelt. Willi Bickelhaupt hat der im Jahr 1852 von dem damals 20-jährigen Chemiker August Ploennies gegründeten Blaufabrik über 25 Jahre und später der Ciba bis zur Schließung im Jahr 1996 die Treue gehalten.

So blieben außer dem Fachwissen bei dem Ehepaar auch viele Erinnerungen an die damals keineswegs selbstverständlichen sozialen Einrichtungen erhalten: Betriebsrente, Arbeitnehmer im Aufsichtsrat, aber auch Sozialräume und ein Waschhaus, wo sich die Arbeitnehmer mit von der Firma zur Verfügung gestellten Mouson-Seife die blaue Farbe abwaschen konnten. Sie waren ein Teil der für das Lautertal bedeutsamen Firmengeschichte.

1996, als das Werk in Lautern geschlossen wurde, war auch das Jahr, als der Verschönerungsverein Gadernheim unter dem Titel „Von der Blaufarbenproduktion zum modernen Chemiewerk in Lautertal“ letztmals eine Ausstellung mit vielen Exponaten zur Firmengeschichte in der Heidenberghalle organisiert hatte. Nicht nur Erika und Willi Bickelhaupt freuen sich, dass sich der Ortsbeirat Lautern für den Erhalt der vielen Ausstellungsstücke eingesetzt hat, die bis vor kurzem im Rathaus in Gadernheim untergestellt und etwas in Vergessenheit geratenen waren.

Die Exponate erhalten jetzt einen repräsentativen Platz im Rathaus in Reichenbach. Die Dauerausstellung wird am Sonntag, 23. Juni, um 12 Uhr von Bürgermeister Andreas Heun eingeweiht. Mit dabei sind die beiden Zeitzeugen Erika und Willi Bickelhaupt. fred

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