Lautertal

Mann trifft sich Vortrag über ein schwieriges Thema

Das „Böse“ erkennen und verstehen

Archivartikel

Reichenbach.Einem schwierigen Thema – wie vom Gastredner betont, nicht vergnügungssteuerpflichtig – hat sich die Landeskirchliche Gemeinschaft Lautertal jüngst gewidmet. Im Rahmen der Reihe „Mann trifft sich“ war Markus Baum mit dem Vortrag „Das Böse – der Feind, den wir nicht lieben müssen“ im voll besetzten Saal des Gemeinschaftshauses in der Reichenbacher Friedhofstraße zu Gast.

Pastor Manuel Schnee begrüßte den 55-jährigen Autor des gleichnamigen und im Jahr 2017 erschienenen Buchs, der im mittelhessischen Aßlar lebt und hauptberuflich in verantwortlicher Position als Rundfunkredakteur arbeitet. Daneben ist er auch Vortragsredner, Buchautor und Übersetzer verschiedener Bücher aus dem Englischen und Amerikanischen.

Im Rahmen seines Engagements in der christlichen Friedens- und Versöhnungsarbeit, stieß er nach eigener Aussage immer wieder auf die Thematik des Bösen. Dabei stellte er sehr schnell fest, dass die Wissenschaft nur sehr schwammige Erklärungen für diesen Begriff hat. Einhergehend mit der Frage, wie Jesus mit dem Bösen umgegangen ist, hatte er daher zunächst drei Rundfunksendungen zu diesem Thema konzipiert. Diese waren letztlich dann auch Grundlage für sein Buch und seinen Vortrag. Baum, der sich selbst als Vielleser bezeichnet und vor allem, wie viele andere Leser, den Nervenkitzel des Bösen in Kriminalromanen schätzt, zeigte den Zuhörern in seinem Vortrag auf, wie faszinierend, bedrohlich und interessant das Böse sein kann. Offenbar deshalb, weil jeder Mensch dazu fähig ist.

Böse kann man dabei nicht nur aktiv sein. Auch Nichtstun kann es sein, manchmal sogar in bester Absicht. Das Böse tritt dabei in den unterschiedlichen Erscheinungsformen zutage, kann unter anderem strukturell, banal, lustvoll, im Kollektiv und sogar ästhetisch daherkommen. Auch in der Bibel spielen das Böse und die Bosheit eine Rolle. Dem christlichen Glauben gehe es um dessen Überwindung, nicht aber um eine Fixierung auf das Böse. Ziel sei eine Welt, in der Bosheit ein Fremdwort ist.

Aus diesem Blickwinkel bot Markus Baum den Zuhörern in seinem Vortrag einige Gedanken über das Böse und über die Fähigkeit des Menschen zur Bosheit. Aus seiner Sicht gibt es zwei extreme Haltungen. Zum einen nehme der Mensch das Böse nicht ernst, er nehme es lediglich zur Kenntnis. Es werde sogar abgestritten, dass es ein personifiziertes Böses gibt. Religiöse Menschen könnten in diese Falle tappen und stünden dann rat- und sprachlos vor konkreten Manifestationen des Bösen, wie zum Beispiel einem Völkermord.

Zwei Holzwege

Das andere Extrem sei, das Böse überernst zu nehmen. Hier nennt er als Beispiel die Kreuzritter, die gegen die Mächte der Finsternis oder gegen das, was sie dafür hielten, zu Felde zogen.

In beiden Fällen sagt Markus Baum, sei man aber auf dem Holzweg. Vielmehr gehe es darum, das Böse zu erkennen, zu benennen und zu verstehen. Dann sei man auch in der Lage, seine eigene Haltung, verbreitete Handlungsmuster und sogar gesellschaftliche Prozesse zu überprüfen.

So könne man die nötige Wachsamkeit entwickeln und gleichzeitig gelassen bleiben. Denn Christen könnten gelassen sein, weil Gott den Kampf gegen das Böse längst aufgenommen und das Übel bei der Wurzel gepackt habe. So habe die Welt eine friedliche und glückliche Zukunft, in der das Böse keine Rolle mehr spielen werde, ist sich Markus Baum sicher.

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