Lautertal

Corona-Impfungen

Den Hinweis besser verkniffen

Leserbrief „Der Tod ist unser ständiger Begleiter“, BA 31. Januar

Der Verfasser des Leserbriefes meint es sicher gut, wenn er sich in alte Menschen hineinversetzt und beschreibt, dass sie sich mit der Aussicht auf einen womöglich baldigen Tod arrangiert haben. Dann wäre ja die Welt in Ordnung und die große Mission in der Pandemie, die da heißt, die Alten zu schützen, wäre übereifriger Aktionismus, der mehr Schaden bringt als dass er nützt.

Aus meinem täglichen Leben mit 48 Heimbewohnern in der Pflegeeinrichtung in Gadernheim kann ich versichern, dass es den Menschen nicht egal ist, dass draußen ein für sie potenziell tödliches Virus lauert. Den Hinweis zur Gefährlichkeit der Impfung hätte sich der Schreiber meines Erachtens besser verkniffen. Die Aussage, rund drei Prozent aller Testpersonen seien aufgrund von Nebenwirkungen nach der Impfung nicht mehr arbeitsfähig, verwirrt eher, als das sie hilfreich ist. In der von ihm zitierten der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) ist weder die Art noch die Schwere noch die Dauer dieser aufgetretenen Impfreaktionen angegeben. Was interessant wäre: Wie lange waren die Betroffenen nach der Impfung nicht einsatzfähig? Bei dem Schreiber klingt es, als ob sie dauerhaft zu Schaden gekommen wären. Dies ist aber der Information des CDC nicht zu entnehmen. Eine einkalkulierte Nebenwirkung wie Kopfschmerzen oder kurzzeitiges Fieber ist meiner Meinung nach einer Covid-19-Erkrankung vorzuziehen.

In einem Atemzug über die mutmaßlichen Gedanken von Senioren zu schreiben und gleichzeitig die Menschen hinsichtlich ihrer Entscheidung über die Impfung zu verunsichern, finde ich gefährlich und schädlich. Erst recht wenn man bedenkt, wie viel Leid und Chaos das Coronavirus schon in Pflegeheimen angerichtet hat.

In unserer Einrichtung wurden 47 Bewohner und 29 Beschäftigte geimpft. Am nächsten Tag taten einige Oberarme weh. Ansonsten waren keine Reaktionen oder Nebenwirkungen zu beobachten, weder bei den Bewohnern noch bei den Mitarbeitern. Wir sind gespannt auf die zweite Spritze, die wir demnächst erhalten werden.

Bianca Reichling

Gadernheim

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