Lautertal

Natur Streubostwiesenretter werben für Sorte aus dem Odenwald

Der Kalbfleischapfel kehrt zurück

Archivartikel

Reichenbach.Die Form ist flachrund, ebenmäßig, gleichmäßig gebaut, zum Kelch etwas stärker abnehmend und klein bis mittelgroß. Die Schale glatt und trocken, die Grundfarbe grüngelb, die Deckfarbe kurz gestreift und rot geflammt. Die alte Apfelsorte, die Martin Schaarschmidt den Mitgliedern des Verschönerungsvereins (VVR) vorstellte, war früher im Odenwald heimisch, ist heute aber weitgehend nicht mehr zu sehen.

Der Streuobstwiesenretter Schaarschmidt, der seit Jahren südhessenweit um den Erhalt auch alter Apfelsorten kämpft, ist von dem Kalbfleischapfel begeistert. Mit dieser Begeisterung hat er auch Bürgermeister Andreas Heun und den Hessischen Rundfunk anstecken. Gemeinsam pflanzten sie unterhalb des Felsenmeeres ein junges Bäumchen der alten Sorte. Die Aktion wurde im Abendprogramm zur besten Sendezeit gezeigt.

Schaarschmidt informierte dort und beim VVR, dass es sich bei dieser Züchtung um einen „Odenwälder Borsdorfer“, einem Hochstamm und Tafelapfel, handelt. 1942/43 sei er noch in den Listen der Preisbildungsstellen über Erzeugerhöchstpreise für Kernobst in der Preisgruppe IV, 2. Lokalsorten erschienen. Danach sei er in Vergessenheit geraten. Erst durch die Arbeit der Streuobstwiesenretter sei er wiedergefunden worden.

Helles Fruchtfleisch

Inzwischen wurde die Sorte in die Baumschulen gegeben und somit erhalten. Das Fruchtfleisch des Apfels ist typisch hell, weißlich bis gelblich-weiß, mittelfest, saftig, später etwas mürber werdend, ohne „Gewürz“, ausgeglichenes süß-saures Apfelaroma. Verwechselt werden könne er leicht mit dem Goldparmäne, einer Apfelsorte, von deren ursprünglichen Form alte Odenwälder noch heute schwärmen.

Am besten gedeiht der Kalbfleischapfel in mäßig feuchtem, mittelschwerem bis leicht sandigem Boden. Die Sorte, so Schaarschmidt, sei gesund und sehr robust, „wie die Odenwälder halt auch“. Der Baum wachse kräftig und bilde eine breitkugelige Krone. Ein regelmäßiger Auslichtungsschnitt sei zu empfehlen, damit die Früchte eine gute Größe bekommen. Sie reifen zwischen Mitte September und Mitte Oktober.

Laut Baumbesitzer wurden regelmäßig 20 bis 22 Zentner geerntet. Schaarschmidt warb für eine vermehrte Anpflanzung dieser alten Apfelsorte. In Lautertal und Umgebung gäbe es eine Fülle von Wiesengrundstücken, die sich ideal für neue Bäume eigneten. Bei Planung, Kauf und Anpflanzung stehe er gerne beratend zur Seite. he

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