Lautertal

Jubiläum Hannewald OHG und Reichenbacher Apparatebau GmbH wurden vor 75 Jahren von Adam und Karl Hannewald gegründet

Ein Handwerksbetrieb war Grundstein zum Erfolg

Reichenbach.Vor 75 Jahren legte Adam Hannewald mit der Gründung eines Handwerksbetriebes im Brandauer Klinger in Reichenbach den Grundstein für eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte des mittelständischen Unternehmens. Zeitzeuge der 75-jährigen Firmengeschichte ist Karl Hannewald, der heute 85-jährige Mitgründer und Gesellschafter der Firmen Hannewald OHG und Reichenbacher Apparatebau GmbH. Der Betrieb verarbeitet Stahlbleche, Edelstahl und alle anderen Metalle von einem halben bis 20 Millimeter Stärke und beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Viele Angestellte haben hier schon ihre Ausbildung absolviert und sind in der Firma seit Jahrzehnten beschäftigt.

Diese positive Entwicklung konnte der gelernte Klempner und Installateur Adam Hannewald 1945 nicht vorhersehen, als er nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft auf Anraten seiner Ehefrau Barbara den Entschluss fasste, sich selbstständig zu machen. Am 14. August 1945 erhielt er von der Handwerkskammer Darmstadt hierzu die Genehmigung.

Erstes Firmengebäude war eine ehemalige Wehrmachtsbaracke, die Hannewald bei einer Firma in Schönberg erwarb und Stück für Stück per Pferdewagen nach Reichenbach transportieren ließ, um sie im Brandauer Klinger bei seinem Wohnhaus aufzubauen. Auch der zehnjährige Sohn Karl musste nach der Schule schon mit anpacken.

Da es anfangs nur wenig Material gab, beschränkte sich der Betrieb auf die Reparatur von Dachrinnen und Wasserleitungen. Vater und Sohn fuhren mit dem Kleinmotorrad nach Bensheim, um Zinkblech einzukaufen. Bei einem befreundeten Klempner wurde das Zinkblech zugeschnitten, gerundet und gewulstet. Dann wurde es mit einem Kleinmotorrad – querliegend zwischen Vater und Sohn – nach Reichenbach gebracht. Dort wurden die Teile zu Dachrinnen zusammengelötet.

Kühlboxen für die Bundeswehr

Da der Einkauf für Material sehr begrenzt war, kaufte man verzinkte Lüftungskanäle aus Wehrmachtsbeständen für die Umarbeitung zu Haushaltswaren. Töpfe, Wannen und vieles andere, was im Haushalt benötigt, wurden von Hand angefertigt und in einem im Wohnhaus eingerichteten Laden von Barbara Hannewald zum Teil selbstvermarktet. Auch Lampenschirmgestelle wurden hergestellt, die Karl Hannewald oft mit dem Fahrrad seiner Mutter nach der Schule zu den Kunden brachte.

Dann kam ein Auftrag von der Gemeinde Elmshausen, einen neuen Wasservorratsbehälter zu installieren und an das Ortsnetz anzuschließen. EinzigeTransportmittel waren in dieser Zeit ein Kleinmotorrad, ein altes Damenfahrrad und ein Handkarren. Erst 1949 konnte ein gebrauchter Pkw-Kombi angeschafft werden.

In der Folgezeit produzierte die Firma Ärztemöbel, Kühlboxen für die Bundeswehr, aber auch spezielle Gehäuse für die Schwingungstechnik sowie Feuerschutzeinrichtungen. Die erste Blechverarbeitungsmaschine wurde 1955 angeschafft.

Karl Hannewald hatte inzwischen eine Ausbildung als Klempner und Installateur im Betrieb seines Vaters absolviert. Nach erfolgreich bestandener Meisterschule nahm er 1959 seinen Meisterbrief in Empfang. Ein Jahr später folgte mit dem ersten größeren Neubau der Umzug auf das heutige Firmengelände. Bald wurde die Halle aufgrund der sehr guten Auftragslage erweitert. Durch die stetige Vergrößerung des Kundenkreises war der Mitarbeiterstamm bereits auf 15 bis 18 Leute angewachsen. In dieser Zeit wurden unter anderem für einen Großkunden Schutzgehäuse für Kaugummiautomaten produziert.

1967 folgte ein weiterer Anbau auf dem Gelände, eine Fertigungshalle mit Büroräumen im ersten Stock und Wohnräumen im zweiten Stock. Am 1. August 1970 feierte die Firma ihr 25-jähriges Bestehen. Nach 1982 wurde der Betrieb mehrfach umbenannt, bis zur heutigen Hannewald OHG als besitzhabende und der Reichenbacher Apparatebau GmbH als produzierende Firma. Im Jahr 1978 begann Karl Hannewalds Stiefsohn Achim Straus eine Lehre in der Firma. Ein Studium zum Maschinenbau-Ingenieur schloss sich an. 1982 wurde Karl Hannewald neben seinem Vater gleichberechtigter Geschäftsführer in der Firma. Die erste EDV-Anlage hielt 1984 ihren Einzug, und es wurden weitere wichtige Weichen für die Firma gestellt.

Im Jahr 1989 übergab Firmengründer Adam Hannewald im Alter von 85 Jahren seine Aufgaben als gleichberechtigter Geschäftsführer an Achim Straus. Ein Jahr später wurde eine weitere Fertigungshalle am Ende des Brandauer-Klinger-Wegs errichtet. Aus einer ehemaligen Wehrmachtsbaracke sind so in 75 Jahren nach und nach Produktionsstätten auf einer Fläche von rund 2100 Quadratmetern entstanden.

Inzwischen haben sich Karl Hannewald und Achim Straus aus der Firmenleitung zurückgezogen. Seit 2007 leitet Stephan Bremstaller als Geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens. In den vergangenen Jahren wurden Maschinenpark und Mitarbeiterstamm ständig erweitert.

Das zertifizierte Unternehmen sieht sich für künftige Herausforderungen sehr gut aufgestellt. Außer der Blechbearbeitung ist die Fertigung komplexer Baugruppen möglich. Die Firma bietet Logistik mit Just-in-time- und Kanban-Lieferungen mit vorgelagerter Qualitätssicherung. Bei Kanban geht es um die Zulieferung von Teilen im Gleichschritt mit deren Verbrauch.

Die Reichenbacher Apparatebau GmbH ist fest in Lautertal verwurzelt. Seit zwei Jahren gibt es außer dem Standort in Reichenbach auch ein Auslieferungslager in Beedenkirchen. Von hier aus werden die Artikel europaweit versendet.

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