Lautertal

Persönlichkeiten Der Reichenbacher Mario Rheinfurth ist mit 90 Jahren in den USA verstorben

Einmarsch der US-Army auf dem Rad begleitet

Reichenbach.Mario Rheinfurth hat ein ereignisreiches und interessantes Leben hinter sich: Im Reichenbacher Pfarrhaus aufgewachsen, dort und in Bensheim zur Schule gegangen und dabei einem jüdischen Schüler das Leben gerettet, 1945 den amerikanischen Einmarsch im Tal mit dem Fahrrad begleitet, in die USA ausgewandert, am Raumfahrtprogramm von Wernher von Braun mitgearbeitet und immer wieder den Kontakt in die alte Heimat gesucht – so lässt es sich zusammenfassen.

Erinnerungstafel auf dem Friedhof

Im Mai ist er in seiner Wahlheimat Huntsville (Alabama, USA) im gesegneten Alter von fast 90 Jahren verstorben. Auf dem Reichenbacher Friedhof wurde jetzt eine Erinnerungsplatte an ihn auf dem Familiengrab angebracht.

Sein Vater Adolf Rheinfurth, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Reichenbach, zog 1933 mit Ehefrau Martha und den Buben Frank, Wolfgang und Mario ins Pfarrhaus. 1935 wurde der jüngste der Söhne in die heutige Felsenmeerschule aufgenommen.

Wolfgang, Mario und Martha Rheinfurth retteten 1937 dem Juden Max Salomon das Leben, als ihn nationalsozialistische Mitschüler in der Jauchegrube der Schule ertränken wollten. Sie gewährten ihm Asyl im Pfarrhaus und brachten ihn am nächsten Tag in Sicherheit.

Mit dem Fahrrad war Mario Rheinfurth beim Einmarsch der Amerikaner am 27. März 1945 von Schönberg bis Reichenbach dabei und schützte sich vor den letzten Verteidigungsversuchen der Wehrmacht hinter Panzern der 7. US-Armee.

Die Kontakte mit den amerikanischen Soldaten auch im Pfarrhaus prägten ihn. Nach seinem Studium der Physik wanderte er in die Vereinigten Staaten aus und war dort am Raumfahrtprogramm im „Team Braun“ beteiligt.

Über diese Aktivitäten hat Mario Rheinfurth eine Reihe von Schriften veröffentlicht und Vorträge gehalten. Auch Widmungen seines Chefs Wernher von Braun werden im Familienarchiv aufbewahrt. Trotz seines beruflichen Engagements auch nach seiner Verrentung interessierte sich Mario immer für die Entwicklung in seiner alten Heimat.

Besuch im Jahr 1999

In oft über eine Stunde dauernden Telefonaten mit seinen Klassenkameraden aus dem Jahrgang 1928/29 informierte er sich über die evangelische Kirche, die örtlichen Vereine, über die Traditionsgasthäuser „Zur Traube“, „Zur Sonne“ und „Grüner Baum“, sowie den touristischen Aufschwung am Felsenmeer. Trotz seiner langen Abwesenheit kannte er die alten Familien im Dorf oft bis zur dritten Generation.

Im Jahre 1999 nahm er an der von Helmut Lang organisierten Jahrgangsfeier in der Kirche teil. Mit dabei auch seine zweite Frau Ursula geborene Hahn aus Bensheim. Sie kam auch nach dem Tod ihres Mannes für drei Wochen wieder nach Deutschland und zu Verwandten nach Elmshausen. Hier berichtete sie über die letzten Monate ihres Mannes. Nach schweren Herzoperationen und dem sich abzeichnenden Tod habe Mario Rheinfurth fast nur noch über seine Zeit in Reichenbach geredet, über die bereits verstorbenen Klassenkameraden, über Kirche, Pfarrhaus und Felsenmeer.

Damals habe sie ihm versprochen, eine Platte mit seinem Namen auf dem Familiengrab direkt hinter der Kirche errichten zu lassen. Ursula Rheinfurth ist froh, dass sie damit ihrem verstorbenen Mann, der so sehr an seiner alten Heimat hing und sich für sie interessiert habe, einen letzten Wunsch erfüllen konnte.

Zusammen mit der Familie hat sie zudem eine digitale Bilderschau über das Leben Marios auch in den Reichenbacher Zeiten zusammengestellt. Dass Reichenbach auch für Ursula Rheinfurth nicht uninteressant ist, beweist ihr Besuch mit Bruder Hans Hahn: Haareschneiden bei Ernst Mink, Gespräche mit Bekannten über Mario, dann Rumsteakessen bei Bärbel und Karlheinz Hechler im „Grünen Baum“. he

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