Lautertal

Natur Wer die Schönheit der sogenannten Blockströme bei Reichenbach in Ruhe genießen möchte, sollte das Kleine Felsenmeer besuchen

Flauschige Felsen abseits der Touristenströme

Archivartikel

Reichenbach.Mit den warmen Frühlingstagen zieht es wieder Besucherströme zum Felsenmeer, das sich fast einen Kilometer über den Südosthang des 514 Meter hohen Felsberges bei Reichenbach ergießt. Wenn man von „dem Felsenmeer“ spricht, übersieht man dabei leicht die weiteren Gesteinsansammlungen auf und rund um den Felsberg.

Ursprünglich gab es achtzehn dieser markanten Blockströme, von denen einige jedoch im Laufe der Zeit abgebaut und zu Baumaterialien, Grenz- oder Grabsteinen verarbeitet wurden. Das zu sogenannten „Wollsäcken“ verwitterte Hartgestein wird allgemein als Granit bezeichnet, Fachleute sprechen aber von „Melaquarzdiorit“. Der rund einen Kilometer lange Hauptstrom steht heute unter Denkmalschutz, die restlichen Felsenmeere – wie auch der gesamte Felsberg – stehen unter Naturschutz.

Bis zu 800 Steinhauer

Nachdem zunächst die Römer mit ihren Steinbrüchen die Ruhe des Felsberges gestört hatten, waren es bis in die 1960er Jahre bis zu 800 „neuzeitliche“ Steinhauer, die hier mit ihren Arbeitsgeräten für Lärm sorgten. Heute haben das die jährlich über 100 000 Touristen übernommen, die vor allem an Wochenenden das Felsenmeer bevölkern.

Wesentlich ruhiger und verträumter präsentiert sich ein größerer Blockstrom, das „Kleine Felsenmeer“, westlich des Großen Felsenmeeres Richtung Borstein, das man zum Beispiel über den Talweg erreichen kann.

Wie beim großen Bruder fließt ein kleiner Bach unter den Felsen dieser Nönnwiesengerölle bezeichneten Gesteinshalden. Die Ausdehnung dieser Felsenansammlung kann man am besten zur laubfreien Jahreszeiten ermessen, da das Blätterdach die Granitbrocken im Dunkeln verschwinden lässt.

Im Gegensatz zu den von den Touristen glattpolierten Steinen des großen Felsenmeeres sehen hier die moosbewachsenen „Wollsäcke“ richtig kuschelig aus. Macht man sich die Mühe und steigt den Felsen folgend hangaufwärts, findet man einen alten Steinbruch, den sich die Natur so langsam zurückholt. Bearbeitungsspuren der Steinhauer beschränkten sich auf diesen Teil des Gerölls.

Mit etwas Fantasie kann man auch hier Köpfe von Seeungeheuern aus dem Blockstrom herausragen sehen. Am oberen Ende glaubt man, muschelbestückte Felsen zu entdecken, was zu einem „Meer“ durchaus passen würde. Die vermeintlichen Muscheln entpuppen sich aber als sonnenverbrannte Reste des Moosbelags oder Flechten.

Oberhalb dieser Steine verschwindet der kleine Bachlauf unter den Felsen, der am Fuße des Felsbergs im Rödchen als Nonnwiesenbach wieder zutage tritt und beim Spielplatz in den Felsbach mündet.

Eine weitere größere Steinanhäufung am Felsberg ist mit der Bezeichnung Lochwiesengeröll Richtung Beedenkirchen zu finden.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel