Lautertal

Evangelische Kirche Beedenkirchen Der Projektchor begeisterte beim „Heiteren Forellenabend“ / Auch das Publikum wurde eingebunden

Gemeinsames Singen klappte auf Anhieb

Archivartikel

Beedenkirchen.Der Projektchor der evangelischen Kirchengemeinde Beedenkirchen unter der Leitung von Andrea Gulden hat am Samstag für ein volles Gotteshaus gesorgt. Das Konzert lockte die Musikfans mit dem Titel: „Heiterer Forellenabend“. Im Wechsel moderierten Christine Boß-Engelbrecht und Ellen Bergoint das Chorkonzert. Im Anschluss gab es für kleines Geld Forellengerichte.

Als Text für sein Lied hat der Komponist Franz Schubert das Gedicht „Die Forelle“ von Christian Friedrich Daniel Schubarth verwendet. Der kritisierte so in einer Zeitschrift den Lebenswandel des württembergischen Landesfürsten Carl Eugen. Dieser sperrte ihn daraufhin zehn Jahre lang in den Kerker der Burgfestung Asperg. „Im Volksmund heißt sie deshalb Schubert-Turm“, wusste eine Zuhörerin.

Ragtime zur Auflockerung

Die vierte Strophe, als Warnung an Mädchen vor Verführern gedacht, ließ Komponist Franz Schubert weg. Er wurde 1797 bei Wien in Österreich geboren und stammte aus einfachen Verhältnissen. Er wurde nur 31 Jahre alt, verfasste aber ein reichhaltiges Werk mit über 600 Liedern. Sein Vorbild war Ludwig van Beethoven. Durch Schubert wurde das deutsche Wort „Lied“ weltbekannt.

Der fast 30-köpfige Projektchor blieb beim ersten Lied in den vorderen beiden Kirchenbänken sitzen. „In einem Bächlein helle, da schoss in froher Eil’ die launische Forelle vorüber wie ein Pfeil“, heißt es in dem Lied Schuberts. Zuvor hatte Chorleiterin Andrea Gulden das Publikum instruiert: „Erst singt der Chor das Lied allein und dann singen Sie mit“. Die Texte waren auf den Kirchenbänken verteilt, das gemeinsame Singen klappte auf Anhieb.

Zur Auflockerung spielte Andrea Gulden auf dem Klavier den „Fish Rag“ von Uwe Korn: ein Jazz Version. Ragtime ist ein in den USA entstandener Vorläufer des Jazz, der seine Blütezeit zwischen 1899 und 1914 hatte. Er ist „Amerikas klassische Musik“ und wird heute fast nur noch als Klavierstil wahrgenommen. Dabei wurde Rag auch auf anderen Instrumenten wie dem Banjo gespielt.

Der Chor führte das Publikum zurück nach Österreich zu dem Komponisten und Musiker Franz Schöggl. Der bekam im Alter von sechs Jahren schon Geigenunterricht und brachte sich selbst Klavier, Cello, Trompete und Schlagzeug bei. Auch als Komponist war Schöggl Autodidakt. Unter dem Titel „Die launige Forelle“ komponierte er zehn humorvolle Varianten über Schuberts Lied. Erkennbar sind darin die Stile verschiedener bekannter Komponisten. Als erstes jener aus der „Forelle“ von Franz Schubert. Als zweites „Eine kleine Nachtforelle“ in Anlehnung an Wolfgang Amadeus Mozarts „ Kleine Nachtmusik“.

Die dritte Version galt Schuberts Vorbild Ludwig van Beethoven: „Zur Ehre der Forelle“, heißt sie. Die vierte Version „Der Freifisch“ war Carl Maria von Weber und seiner Oper „Der Freischütz“ gewidmet. Nummer fünf hieß in Anlehnung an Richard Wagner aus Bayreuth: „Fischerchor“. Die „Gebirgsforelle am späten Abend“, ist den Salzburger Oper Festspielen gewidmet. Dort kreieren die Köche eines Restaurants für die Stars der Festspiele immer ein Gericht, das deren Namen bekommt. Wenn das passiert dann gehören sie zu den Großen ihres Berufs, wie die Sopranistin Anette Dasch.

Dem Gericht „Forelle nach Wiener Art“ liegt folgende Geschichte zugrunde: Franz Schubert soll eines Tages hungrig ein Wiener Wirtshaus ohne Geld betreten haben. Um für seine Lieblingsspeise, Kalbsbraten mit Kartoffeln zu bezahlen, vertonte Schubert ein Gedicht, das er im Wirtshaus fand. Nach seinem Tod wurde das Manuskript auf einer Pariser Auktion sehr teuer verkauft. Es handelte sich um sein berühmtes Wiegenlied.

Kanon zum Abschluss

Schöggls „Forella Italiana“ erinnert an die Opernhäuser wie in Parma. Mehr als woanders ist das Publikum dort besonders opernkundig. Wegen seines schlechten Gesangs am Abend zuvor musste ein Tenor sein Gepäck selbst zum Bahnhof tragen, lautet eine Anekdote.

Die Wolga-Forelle geht auf das Wolgalied von Franz Léhar zurück. Er komponierte Operetten und konnte mit den Opern von Wagner nicht viel anfangen. Die letzte Variation der Forelle war eine Anlehnung an Franz Liszt, den ungarisch-österreichischen Pianisten und Komponisten. Er gab einmal ein Konzert mit dem großen Tenor Rubini in Frankreich. Gerade einmal 50 Leute hörten dem Konzert am ersten Abend zu und so lud Liszt sie alle zum Essen ein. Am nächsten Abend war der Saal überfüllt. Zum Schluss forderte Andrea Gulden das Publikum auf, nochmals mit dem Chor zu singen, und zwar „Das Trinklied“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Der Spaß am Singen des Kanons lag auf beiden Seiten. Der Chor wurde von Leon Hotz auf dem Klavier begleitet.Besucher aus Darmstadt freuten sich über das hohe musikalische Niveau vom Projektchor Beedenkirchen beim Chorkonzert.

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