Lautertal

Projekt David Schellhaas und Kirsten Göllner planen für Internatsschüler einen Computerraum und einen Stall für praxisnahen Unterricht / Vorstellung in der Pfarrscheune

„Hilfe zur Selbsthilfe“ in Tansania

Archivartikel

Beedenkirchen.„Ich habe in Tansania viele tolle Menschen kennengelernt. Aber das soll es nicht gewesen sein.“ So erläutert David Schellhaas den rund 20 Zuhörern in der Pfarrscheune der evangelischen Kirchengemeinde in Beedenkirchen unter der Überschrift „Ein Jahr Tansania“, was ihn und seine Verlobte Kirsten Göllner motiviert hat, im März an seinem Wohnort den Förderverein „Freunde der Endarofta“ zu gründen. Endarofta ist ein privates Internat in der Region Kurato, in dem rund 220 Schülerinnen und Schüler leben und lernen.

Der 24-jährige Maschinenbau-Student arbeitete dort nach dem Abitur im Jahr 2015 im Rahmen eines Freiwilligenprogramms der Caritas Hildesheim. Erst vor wenigen Tagen sind er und seine Verlobte, die in Darmstadt Energiewirtschaft studiert, nach einem weiteren sechswöchigen Aufenthalt in dem ostafrikanischen Land zurückgekehrt.

Mit Gefühl für Land und Leute

Um den Zuhörern zunächst ein Gefühl für Land und Leute zu vermitteln, gaben er und Kirsten Göllner einen Überblick über das Land, die Geschichte und Kultur Tansanias. Das Land hat derzeit 54 Millionen Einwohner, die auf einer Fläche von 950 000 Quadratkilometern leben. Im Vergleich: In Deutschland leben 80 Millionen Menschen auf einem Drittel dieser Fläche. 230 000 Quadratkilometern des Landes sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Verkehrssprache ist Swahili, eine Kunstsprache, die eine Verständigung zwischen den über 120 unterschiedlichen Stammessprachen ermöglicht.

43 Prozent der Bevölkerung sind Christen, 38 Prozent Muslime. Ansonsten gibt es noch verschiedene Naturreligionen. Geprägt wurde das Land im Laufe der Jahrhunderte durch Portugiesen und Araber, die das Land am Indischen Ozean und die Insel Sansibar als Handlungsstützpunkte nutzten, unter anderem als Hotspot des Sklavenhandels.

Später wurde es als Kolonie Teil von Deutsch-Ostafrika und nach Ende des Ersten Weltkriegs britische Kolonie. Im Jahr 1961 erlangte das Land seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Bekannt ist Tansania besonders durch seine Wildreservate wie zum Beispiel die Serengeti sowie durch den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 560 Euro. Die Lebenserwartung der Menschen liegt bei 61 Jahren. Familien haben im Schnitt fünf Kinder. Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der UN-Armutsgrenze. Die Hälfte der Bevölkerung hat keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser, 72 Prozent haben keinen Strom. Die Schere zwischen Arm und Reich ist sehr groß, wie David Schellhaas anhand von vielen Bildern und Videosequenzen zeigte.

Nach so vielen Informationen hatten die Zuhörer in einer Pause dann auch Gelegenheit landestypische Speisen zu kosten, die zwischenzeitlich Ulrike und Jürgen Schellhaas, die Eltern von David, in der Küche zubereitet hatten. Die Besucher ließen sich etwa Vibibi, einen Reispfannkuchen, oder Samosa, frittierte und mit Gemüse gefüllte Teigtaschen, schmecken. Dazu gab es einen Gewürztee. Außerdem zeigten die Gastgeber landestypische Kleiderstoffe, wie den bunten Kitenge. Nach der Pause folgten Informationen zum Schulsystem Tansanias und Einblicke in den Schulalltag des Endarofta-Internats. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass trotz Schulpflicht nicht jedes Kind zur Schule gehen kann. Der Besuch ist zwar überwiegend kostenfrei, aber der Transport zur Schule, das Essen, die Schuluniform und die Bücher kosten im Schnitt etwa 200 Euro pro Jahr.

David Schellhaas und Kirsten Göllner sehen ihr Ziel in der „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch die Förderung von Projekten zur Verbesserung der Lebens- und Lernqualität. Hierfür sei das Endarofta-Internat geeignet, da hier ein gutes Bildungsniveau, gut ausgebildete Lehrer und eine sichere Lernumgebung gegeben sind. Zudem kennen sie die Einrichtung und ihre Leitung persönlich.

Zur Verwirklichung ihres Ziels haben sie derzeit zwei Projekte gestartet. Zum einen soll im Internat ein Computerraum mit zehn PCs entstehen. Durch die Anschaffung sollen die späteren Jobchancen der Kinder erhöht und durch Computerkurse für die Bevölkerung Einnahmen generiert werden. Das zweite Projekt ist ein praxisnaher Landwirtschafts-Unterricht, der durch den Bau eines Schweine- oder Hühnerstalls möglich werden soll. Dadurch sollen zum einen Fleisch, Milch und Eier für die Schüler erwirtschaftet werden, zum anderen Einnahmen durch den Verkauf.

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