Lautertal

Berufe Sven Brügger aus Reichenbach sorgt als Straßenwärter für freie Fahrt auf den Verkehrswegen in der Region

Im Unimog unterwegs für sichere Straßen

Reichenbach.Wer Sven Brügger an seinem Arbeitsplatz treffen will, muss erst einmal die steilen Stufen seines Unimogs hochsteigen, um in das Cockpit des tonnenschweren Fahrzeugs zu gelangen. Denn von dort steuert er nicht nur das Fahrzeug, sondern mit einem Mulitifunktions-Joystick auch den Ausleger, an dem dieser Tage in erster Linie ein Heckenschneidekopf angebracht sein wird. Denn der 34-jährige Sven Brügger aus Reichenbach ist gelernter Straßenwärter und in dieser Funktion bei Hessen Mobil im Bereich des Stützpunkts Bensheim tätig.

Die gemeinsame Fahrt mit dem Straßenwart beginnt am Mitfahrerparkplatz an der A 5 in Zwingenberg. „Da ich aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stamme, bin ich lieber draußen unterwegs, als zum Beispiel den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen. Auch wenn ich natürlich oft in meinem Unimog sitze,“ beschreibt Brügger zu Anfang seine Motivation, den Berufs des Straßenwärters zu ergreifen.

Den Beruf hat er ab dem Jahr 2000 in einer dreijährigen Ausbildung in inner- und überbetrieblichen Schulungen von der Pike auf erlernt. Während der Ausbildung hat er unter anderem auch erfolgreich die Fahrausbildung für die Fahrerlaubnisklasse CE absolviert, die ihn unter anderem dazu berechtigt, einen der über 15 Tonnen schweren leuchtend gelb-orange-farbenen Fahrzeuge zu steuern. „Bis zum Jahr 2008 hatte ich noch einen Beifahrer. Das ist mit diesem Unimog nun nicht mehr erforderlich“, sagt er, während der Heckenschneidekopf mit seinen sechzehn rotierenden Klingen die Büsche am Rand der Landstraße in Richtung Zwingenberg-Rodau seitlich zurechtstutzt. Brügger sitzt dazu im Fahrzeug auf der rechten Seite. Das ist möglich, weil der Mercedes Unimog über eine Wechsellenkung verfügt, die mit wenigen Handgriffen von links nach rechts oder auch umgekehrt im Cockpit verschoben werden kann.

300 Kilometer Strecke

„Mit der Gehölzpflege sind meine Kollegen und ich nur zwischen Oktober und Februar beschäftigt.“, nennt er den Fachausdruck für diese Arbeiten. Das hänge auch mit der Brut- und Setzzeit der Vögel zusammen. „Das Gehölz wird auch an Ort und Stelle gehäckselt und bleibt als Dünger für die Sträucher auf dem Boden zurück“, erläutert er weiter, dass mit den Arbeiten nicht nur für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gesorgt wird. „Größere Äste müssen aber in „Handarbeit“ beseitigt werden“.

Über 300 Kilometer Wegstrecke entlang der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen werden vom Stützpunkt Bensheim aus betreut, Das Straßennetz reicht von Zwingenberg, Groß- und Klein-Rohrheim bis zur Rheinbrücke und weiter nach Viernheim, von der Juhöhe bis zum Saukopftunnel und nach Birkenau, entlang der Bundesstraße 38 bis zum Gumpener Kreuz. Auch die Bundesstraße 47 bis nach Lindenfels und Brandau, sowie die Strecke zur Kuralpe bis Balkhausen gehören zum Wirkungsbereich dieses Stützpunkts. Für die innerörtlichen Strecken ist die jeweilige Kommune in der Verantwortung.

Salzlaufe für den Schneefall

„Meine Arbeitszeit geht von 7 Uhr bis gegen 15.30 Uhr. Dazu kommen Bereitschaftszeiten“. Um bei einer herannahenden Schnee- oder Eisfront schnell einsatzbereit zu sein, ist der Streuer mit Salzlauge für den Winterdienst vorsorglich schon auf dem Fahrzeug montiert. „Das Anbringen des Schneeschiebers dauert etwa eine Stunde. Aber durch den Wetterdienst sind wir rechtzeitig vorbereitet“.

Zwischen April und Oktober befindet sich hinter der Fahrerkabine nur noch eine Pritsche und anstelle des Heckenschneiders ist der Randstreifenmäher am Ausleger angebracht. Auch hier gilt es, vor und hinter den Leitplanken oder um die Leitpfosten herum, störende Gräser zu beseitigen, damit die Verkehrsteilnehmer den „Durchblick“ behalten. „Täglich werden die Gerätschaften und deren Verschraubungen überprüft. Gute Pflege des Fahrzeugs und seiner Zusatzgeräte sind das A und O“, verdeutlicht Brügger, dass eine regelmäßige Wartung wichtig ist.

Eines wird aber auch deutlich: Dieser Einmannbetrieb erfordert höchste Konzentration und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Deshalb würde sich Sven Brügger das ein oder andere Mal mehr Verständnis und Rücksichtnahme aufseiten der anderen Verkehrsteilnehmer wünschen, wenn er mit seinem nicht zu übersehenden Fahrzeug unterwegs ist. „Etwas mehr Geduld wäre bei manchem Autofahrer sicher nicht unschädlich“, sagt der junge Mann, bevor er seine Fahrt bei strömendem Regen aber gut gelaunt in Richtung Rodau fortsetzt.

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