Lautertal

Natur Landwirte aus Wurzelbach und Balkhausen berichten über getötete Kälber und Schafe

Luchs kommt als „Täter“ infrage

Archivartikel

Wurzelbach/Balkhausen.Wurden ihre Tiere von einem Luchs gerissen? Das fragen sich die Landwirte Peter Weber aus Wurzelbach und Martin Bersch aus Balkhausen. Beide haben in den vergangenen Wochen Kälber und Schafe verloren, berichten sie. Beide sind sich einig, dass ihre Jungtiere nicht von einem Wolf zerfleischt worden sind. Peter Weber kennt sich aus, eher war früher Jagdvorsteher in Beedenkirchen. Auch ein Tierarzt habe bestätigt, dass die Spuren einen Wolf ausschlössen, sagen die Landwirte. Eher komme ein Luchs als Täter in Frage.

Luchse sind seltene Tiere, beim Forstamt Lampertheim ist ebenso wie beim Forstamt Darmstadt, das für Balkhausen zuständig ist, nichts über Sichtungen der Raubkatzen während der vergangenen Jahre bekannt. Beim Veterinäramt des Kreises Bergstraße war über den Vorfall in Wurzelbach bis dato nichts bekannt.

Lautertal sei eine Zeit lang ein „Hotspot“ für Meldungen über Luchsspuren gewesen, in den vergangenen Jahren seien Luchse dort aber kein Thema mehr gewesen, sagt Peter Schabel, Bergsträßer Beauftragter des Arbeitskreises Hessenluchs, ein Zusammenschluss aus Naturschützern, Forstleuten und Jägern, die Informationen über das Vorkommen dieser Raubtiere sammeln. Praktisch nie würden Sichtungen mit Fotos belegt. Im April war allerdings auf der Hauptversammlung der Jagdgenossenschaft Gadernheim über Luchsspuren im Revier berichtet worden.

Es gibt Fotos von den gerissenen Kälbern in Wurzelbach. Nachdem er sie angeschaut hat, glaubt auch Schabel nicht, dass ein Wolf oder ein Hund der Verursacher war. Ein Luchs komme zumindest infrage, sagt er mit Blick auf die Art der Verletzungen, die auf dem Bild zu sehen sind. Sicher sei dies aber auch nicht.

Kameras könnten aufklären

Falls sich ein Verdacht erhärte, könne es zur Aufklärung grundsätzlich Sinn machen, gerissene Kadaver nicht gleich wegzuräumen, sondern sie liegenzulassen und in dem Bereich Kameras aufzustellen – Luchse kämen oft zu den Beutetieren zurück, um weiter daran zu fressen, fügt Schabel hinzu. Dies gebe den Luchsbeauftragten außerdem die Gelegenheit, die Kadaver genauer zu untersuchen.

Peter Weber macht die Tierhaltung nach eigenem Bekunden jedenfalls keinen Spaß mehr, wenn wenige Stunden alte Neugeborene Kälber einen solchen qualvollen Tod sterben müssen. Martin Bersch hatte seiner Frau noch ein Foto von dem trinkenden neugeborenen Kalb direkt von der Weide geschickt. Als er am nächsten Tag gegen 10 Uhr erneut nach dem Kalb schauen wollte, fand er es tot auf der Weide.

Weber fragt sich, wie es weiter gehen soll, wenn sich auch noch der Wolf weiter ausbreitet. In der Region sei gar nicht ausreichend Raum vorhanden, in dem sich Rudel entwickeln könnten. So würden nur allein lebende Wölfe auftauchen, die, da die Jagdgenossen fehlten, sich auf alles stürzten, was nicht fliehen könne, wie eben Weidetiere. Geklärt werden müsse auch, wie die Tierhalter entschädigt werden. koe/kbw

Info: Sichtungen von Luchsen können gemeldetet werden auf: luchs-in-hessen.de

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