Lautertal

Nibelungen-Kunstpalast Das Ehepaar Anke und Armin Gödtel aus Rheinhessen fertigt Aquarelle und Drechslerarbeiten

Mit Bildern Geschichten erzählen

Archivartikel

Elmshausen.Ein Ehepaar das malt, schreibt und drechselt, zeigt bis 8.Juli seinen Arbeiten im Nibelungen-Kunstpalast in Elmshausen. „Der Kontakt zu den Künstlern kam über eine Zeichenlehrerin zustande“, erzählt Galeristin Karin Wissig. Einmal die Galerie in Elmshausen angeschaut, war das Paar sofort begeistert von der Idee einer gemeinsamen Ausstellung.

Die Spezialität von Anke Gödtel sind „Geschichten in Aquarell“. Die Rheinhessin, die heute für ein US-amerikanisches Unternehmen arbeitet, begann schon früh zu malen und zu zeichnen. Am meisten Freude bereitet mir, mit meinen Bildern eine Geschichte zu erzählen“, sagt die Malerin. Ihre Aquarelle wirken tatsächlich wie Fotografien aus ihrem Leben.

Ein Blick reicht aus, um die Gedanken von Anke Gödtel beim Malen nachvollziehen zu können. Das Werk „Hinein ins Vergnügen“ zeigt eine Glasschale mit Roter Grütze, einem norddeutschen Dessert aus roten Früchten und Blaubeeren. Darüber ein umgekehrter Löffel von dem aus eine füllige Dame im Badeanzug mit Badekappe auf dem Kopf zum Sprung in die Rote Grütze ansetzt. Ihre Kurzgeschichte dazu: „Gibt Dir das Leben auf die Mütze, greife schnell zu roter Grütze. Verlockend schimmert sie im Glase, fruchtiger Duft steigt in die Nase, und erst die Farbe, tiefes Rot, bringt vieles von allein ins Lot. Denn die Früchte, halb verborgen, vertreiben eilends alle Sorgen. Dazu die säuerliche Süße, das stellt Dich wieder auf die Füße.“ Die Fremdsprachensekretärin kann auch mit Worten malen und so kann man bei ihr ein Buch mit ihren humorvollen Kurzgeschichten, ihren Gedichten und den gedruckten Aquarellen bestellen.

Impressionen von Meer und Küste

Die kleinformatigen Bilder mit Wasserfarben machen die Betrachter neugierig auf die Geschichte, die dahinter steckt. Da sitzt ein kleiner Junge im Clownskostüm auf der Toilette und sofort arbeitet im Kopf des Betrachters die Fantasie: Durfte er nicht Fasnacht feiern oder spielt er in schwierigen Lebenssituation immer den Clown?

Wer die Antwort wissen will, der sollte in Gödtels Buch nachsehen. Gut getroffen auch das Herbstkind: Dick verpackt in Mantel, Schal und Mütze. Oder das Porträt eines Kindes, das sich einen Schneemann anschaut mit dem Titel: „Wer bist Du denn?“.

Viele von Gödtels Bildern zeigen das Meer und die Küste. „Armin und ich lieben es ans Meer zu fahren, besonders Schottland und seine Inseln haben es uns angetan“, verrät die Malerin. Auf einem Stein sitzen auf das Meer und die Küstenlinie zu schauen, bedeute für sie „Zeit für mich“. Beeindruckend auch das Bild „Abschied“: eine ältere Dame steht auf einem Stein und wirft Blumen ins Meer. Der Abschied von einem geliebten Menschen, der eine Seebestattung wollte.

Für Anke Gödtel ist Malen und Schreiben ein Ausgleich zu ihrem stressigen Beruf. Sie hat Ehemann Armin, einen gelernten Maschinenschlosser, zum Drechseln überredet. „Angefangen hat es bei mir mit dem Bauen von Schränken und Regalen“, erzählt Armin Gödtel. Das Ehepaar baute ein Haus und Ankes Großvater bot ihnen seine Weichholzmöbel an, da er wusste, beide lieben diesen Stil. Später bat ihn seine Frau, die Einrichtung in ihrem Haus mit dem einen oder anderen selbstgebauten Stück zu ergänzen. „Ich habe dann Möbel so wie früher ohne Nägel hergestellt, die kann man immer wieder auseinander und zusammen bauen“, fährt Armin Gödtel fort. Auf einem selbstgebautem Regal zeigt er seine Drechselkunst in Elmshausen: Alltagsgegenstände aus besonderen Holzarten. Der Teekerzenhalter ist aus einem Stück Buchenholz mit Pilz entstanden. „Ich gehe durch die Natur und sehe ein Stück Holz und weiß sofort, daraus wird ein Holzteller“, sagt der Künstler.

Bis vor ein paar Monaten hatte Gödtel seine Werkstatt noch im Keller des gemeinsamen Eigenheims. Jetzt ist er in eine größere Werkstatt umgezogen und Ehefrau Anke hat den Raum in eine Bildergalerie verwandelt. Die zwei ergänzen sich perfekt: Ist sie am Malen, dann kocht er oder umgekehrt. „Meine kreative Phase haben ich meist morgens beim Haare föhnen, dann schreibe ich meine Ideen sofort auf“, sagt Anke Gödtel.

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