Lautertal

SSV Reichenbach Den sportlichen Erfolg der Fußballmannschaft führt der Verein auch auf die Kontinuität in den Vorstandsämtern zurück

Nur zwölf Vorsitzende in 110 Jahren

Archivartikel

Reichenbach.Mit dem Aufstieg in die Kreisoberliga erreichte die Sänger- und Sportvereinigung (SSV) in der vergangenen Saison den größten sportlichen Erfolg ihrer Geschichte. Als Grund dafür werden im Verein nicht nur die herausragenden Leistungen der Mannschaft genannt, sondern auch die Kontinuität bei der Besetzung der Vorstandsämter. So kam der Verein in 110 Jahren gerade mal mit zwölf Vorsitzenden aus.

Als ein herausragendes Beispiel eines langfristig planenden und unaufgeregt handelnden Leiters wird schon der Gründungsvorsitzende Johann Adam Bernhardt genannt. Der Taglöhner wohnte mit Frau und vier Kindern in einem kleinen Häuschen zwischen den Anwesen der Metzgerei Jährling und dem Obsthändler Dielmann in der Beedenkircher Straße. Nach dem Abriss des Hauses wurde dort eine Gartenwirtschaft errichtet, heute stehen auf dem Platz mehrere Garagen.

Alle Hände voll zu tun

Bernhardt war nicht nur SSV-Vorsitzender, sondern stand auch noch dem Kohlenkonsumverein vor und war Gemeinderat. Mit welchem Aufwand diese Funktionen verbunden waren, wird aus einem Artikel in der „Mainzer Volkszeitung“ aus 1911 deutlich. Danach betrugen die Einnahmen des Kohlenkonsumvereins im ersten Halbjahr 2746,72, die Ausgaben 2652,53 Reichsmark. An Kohlen sowie Briketts wurden 848 Zentner bezogen, von denen bisher 464 Zentner an die Mitglieder abgegeben wurden. Ferner beschaffte der Verein noch rund 400 Zentner Kartoffeln zum Einkaufspreis von 1403,08 Reichsmark.

Die Aufnahme der Bestellungen, die Verhandlungen mit dem Lieferanten, sowie die Bezahlung der ausgelieferten Waren liefen sicher nicht nur über den nach den schriftlichen Unterlagen gar nicht vorhandenen Rechner, sondern in erster Linie wohl über den Vorsitzenden.

Johann Adam Bernhardt tat sich dies alles bis zu seinem Tod am 15. März 1921 an. Als Gemeinderat wurde er am nächsten Tag von Adam Baumunk 6. aus der Felsbergstraße abgelöst. Dieser gründete wenige Tage später auch den Freien Turn- und Sportverein und führte diesen bis ins Jahr 1929, betreute die Buben und Mädchen und organisierte das öffentliche Turnen. 1929 wurde er zum Vorsitzenden der nun vereinigten Sänger und Turner gewählt und nahm dieses Amt bis 1931 wahr.

Mitglieder im Konzentrationslager

Sicher nicht wegen des neuen Vorsitzenden Wilhelm Lang kamen nun unruhige Zeiten auf den Verein und seine Funktionsträger zu. 1933 wurde die SSV enteignet, das Vereinsvermögen wie die Halle im Brunnenstubenweg beschlagnahmt und Teile des Vorstandes verhaftet und ins Konzentrationslager Osthofen eingewiesen.

Nach dem schnellen Ende des „Tausendjährigen Reiches“ führte die SSV ihre Singstunden unter der Leitung von Fritz Lechner und der Vereinsführung von Adam Hannewald fort. Mit der Gründung der Fußballabteilung 1954 machte Hannewald wieder Wilhelm Lang als Interimsvorsitzendem Platz. In einer Zeit, in der sich die Familienvorstände in erster Linie um die Ernährung ihrer Familien und um einen Arbeitsplatz kümmern mussten, kam aber keine Ruhe in den Verein.

Zumal sich dieser mit dem Bau des Sportplatzes im Seifenwiesenweg eine schwere Last aufgebürdet hatte. Lang wurde von Adam Hechler, dieser von Peter Krichbaum abgelöst. Erst mit der Übernahme des Vorsitzes durch den Metzgermeister Hermann Jährling kam wieder Ruhe und ein Aufwärtstrend in den Verein. Unter seinem Nachfolger Karl Schuster wurde 1970 gar die erste Meisterschaft und der Aufstieg in die B -Klasse gefeiert.

1971 wurde Schuster von Jakob Röder abgelöst, der mit 13 Jahren die bis dahin längste Amtszeit der SSV vorstand. Der Unternehmer sorgte vor allem dafür, dass die Rot-Weißen mit ihrem Vereinsheim am Felsenmeer eine neue Heimat fanden. Kurz vor seinem Tod übergab er den Vorsitz an den Bankkaufmann Ernst Lech, dem ersten „Zugereisten“ an der Spitze, der den Verein acht Jahre führte.

1992 wurde dann mit Manfred Preuß ein Mann zum Vorsitzenden gewählt, der alle bisherigen Amtszeiten in den Schatten stellte. Er steht seit 28 Jahren den Rot-Weißen vor, hat mit ihnen die Aufstiege in die A-Klasse und jetzt in die Kreisoberliga erlebt und war maßgeblich an der Einführung der großen Flohmärkte beteiligt, die die SSV in ganz Südhessen bekannt machten.

Unterstützt wird er von Anfang an von Peter Gehrisch, der zumeist als Fußballabteilungsleiter unaufgeregt und routiniert die Fäden in der Hand hält. Preuß und Gehrisch haben mit ihrem Vorstandsteam wesentlich zum vor Jahren noch für unmöglich gehaltenen sportlichen Höhenflug beigetragen.

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