Lautertal

Heimatgeschichte Bei Namenseintragungen den historischen Kirchenbüchern finden sich Unregelmäßigkeiten

Schreibweisen geben Rätsel auf

Archivartikel

Lautertal.Konnte der Schullehrer seinen eigenen Namen nicht schreiben? Hörten Schultheiß oder Pfarrer nicht richtig hin? Oder wollte der Zugereiste im Tal ein neues Leben beginnen, mit seiner alten Heimat nicht mehr in Verbindung gebracht werden? Die unterschiedlichen Namenseintragungen in den Kirchenbüchern von Reichenbach und Kirchbrombach werfen ein Reihe von Fragen auf.

Der Vater des angehenden Lehrers war Michael Horn, ein Wirt im Dorf Remlingen bei Würzburg. Seine Frau Catharina Klettenmeyer, eine Hebamme, gebar ihm den Sohn Conrad Horn.

Dieser heiratete an einem bislang nicht feststehenden Datum laut dem digital veröffentlichten Ortsfamilienbuch von Kirchbrombach eine Anna Maria Sommer, die ihm zwischen den Jahren 1650 und 1672 die Kinder Barbara, Maria Barbara, Anna Ursula, Johann Wilhelm, Anna Cordula, Nicolas, Susanna und Matthay gebar.

Der Lehrer Horn war zwischen 1669 und 1672 auch Schulmeister in Reichenbach. Im dortigen Kirchenbuch ist er jedoch statt mit Horn, mit dem Zunamen Horner aufgeführt. Seine Kinder hatten hier wechselnde Zunamen: Barbara Horner, Maria Barbara Horn, Anna Ursula Horn, Nicolas Horner, Susanna Horn und Matthay Horner. Nicht festgehalten wurden in Reichenbach Johann Wilhelm und Anna Cordula, die wohl inzwischen verstorben waren.

Viele Analphabeten

Am 1. August 1669 in Reichenbach geboren wurde die Tochter Susanna Horn des Vaters Conrad Horner. Ihre Taufpatin war Susanna Bessinger, Ehefrau des Michel Bessinger, eines Vorfahren des Reichenbacher Bürgermeisters Peter Bessinger, der für die Zeit von 1937 bis 1945 und von 1957 bis 1962 ernannt beziehungsweise gewählt wurde.

Ebenfalls in Reichenbach zur Welt kam 1672 Matthay Horner. Sein Pate war Matthey Horn, Schneidermeister zu Michelstadt und der Bruder des Vaters.

In der Chronik „400 Jahre Schule in Reichenbach“ wurde der Lehrer für die Zeit von 1669 bis 1672 mit Konrad Horn aufgeführt. Nach der Reichenbacher Zeit kehrte die Familie wieder nach Kirchbrombach zurück.

Und im dortigen Kirchenbuch blieb dann alles wieder beim Alten – fast. So wurde der Lehrer wieder zu Conrad Horn und alle Kinder trugen jetzt wieder den identischen Zunamen des Vaters. Allerdings wurde aus dem Reichenbacher Nicolas jetzt ein Nicolaus und aus Matthay ein Matthäus.

Unterschiedliche Schreibweisen von Namen sind in den alten Kirchenbüchern nichts Außergewöhnliches. Schließlich konnten in dieser Zeit nur wenige Menschen Lesen und Schreiben. Der Heimatforscher Heinz Bormuth nannte für den Lautertaler Ortsteil Lautern allenfalls drei Menschen, die Lesen und Schreiben konnten. Meistens waren es Pfarrer und Lehrer, oft, aber nicht immer der Schultheiß – eine Art Vorläufer eines heutigen Bürgermeisters. Und die Obrigkeit förderte nicht unbedingt die Bildung ihrer Untertanen.

Mit mehr Wissen hätte ihnen ja auch die Idee kommen können, dass bei der Verteilung von Soll und Haben nicht alles mit rechten Dingen zuging. Da waren die Bemühungen von Pfarrer Martin Walther, in Reichenbach einen geregelten Unterricht durchzuführen, fast schon eine Revolution.

Außergewöhnlich waren die Schreibweisen der Zu- und Vornamen der Familie von Conrad Horn allerdings in der Häufigkeit der Abweichungen zwischen Kirchbrombach und Reichenbach. Sollte er diese tatsächlich so angegeben haben, stellen sie kein besonders gutes Zeugnis für den Lehrer aus.

Da die damaligen Pfarrer die Eintragungen in die Kirchenbücher jedoch in der Regel nicht in Gegenwart der Brautpaare oder der Kindeseltern vornahmen, sondern meistens erst mehrere Tage später, dürfte Conrad Horn die fehlerhaften Einträge über sich und seine Familie gar nicht gesehen, geschweige denn gutgeheißen haben.

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