Lautertal

Verschönerungsverein Reichenbach Nach 20 Jahren beenden Lautertaler ihr Engagement auf der Höhenburg bei Hering

Spinnkreis verlässt Veste Otzberg

Archivartikel

Reichenbach.Fast 20 Jahre lang warben Mitglieder des Spinnkreises im Verschönerungsverein Reichenbach (VVR) auf der Veste Otzberg für ihr altes Handwerk, stellten Schafwolle her, klöppelten oder regten zum Selbermachen an. Mit dem Ausscheiden des Wirtsehepaares Tilly (wir berichteten) surren künftig auch keine Reichenbacher Spinnräder mehr im Burghof, im Veste-Museum oder in der Gaststätte.

Wie die Gründerin und langjährige Vorsitzende des Spinnkreises, Irene Gorka, mitteilt, war sie schon 1991, lange vor der Gründung der Gruppe, sonntags in Otzberg. Zum „Schauspinnen“ angeregt worden sei sie durch die Spinnkreise in Gronau, Lindenfels, Reichelsheim und Heppenheim. Diese hätten sie auch auf die heute nicht mehr aktive Trachtenschneidermeisterin Heidrun Toque in Hambach aufmerksam gemacht, die ihr eine nach den Vorgaben des „Odenwälder Trachtenpapstes“ Hans von der Au geschneiderte Tracht herstellte.

Differenzen um Parkplätze

Ihr „Schauspinnen“ auf der Veste habe sie dann mit Gerd Grein vereinbart. Dieses durch Auftritte in Funk und Fernsehen und auch in Lautertal bekannte Original aus Hering betrieb damals die Veste und regte eine Reihe von heimatbezogenen öffentlichen Veranstaltungen an. Mit der Gründung des Reichenbacher Spinnkreises 2002 seien dann etliche Spinnfreunde aus dem Tal hinzugekommen.

Nun fuhren die Reichenbacher über die Saison von März bis November mindestens an einem Tag im Monat auf die Veste, zeigten ihr Können am Spinnrad und warben Interessenten an. An jedem letzten Samstag im Monat war Treffen der „Spinnleute“, an denen diese ihre Erfahrungen austauschten oder einfach nur beisammen sein wollten. Vom Reichenbacher Verschönerungsverein waren dies Petra Baumbach, Else Degenhardt, Irene Gorka, Ulrike Häuser, Hannelore und Heinz Jöckel, Käthe Lotz, Inge Meier, Birgit, Jörg und Tom Sprang sowie Kerstin Unger.

„Wir Reichenbacher waren für die Besucher eine Attraktion“, freut sich Frau Gorka noch heute über die damalige Resonanz. In ihren schönen Trachten seien sie oft fotografiert und vielfach nach den Details des Spinnens befragt worden. Da manchmal auf der Veste bis zu drei Hochzeiten stattfanden, seien aber immer mehr Differenzen wegen der Parkplätze im Burghof und dem Standort der Spinnleute entstanden. So sei es sogar vorgekommen, dass die Spinnräder vom Parkplatz im Dorf hoch zur Veste getragen werden sollten – eine gerade für ältere Teilnehmer nicht zumutbare Belastung.

Kein Abschied im Groll

Als sich dann noch die Sanierung der Veste mit einer ganzen Reihe von Baustellen ankündigte, war sich auch der Spinnkreis einig: Jetzt ist auch für uns Schluss. Trotz der nach fast 20 Jahren immer größer werdenden Probleme scheiden die Spinnleute nicht im Groll und sind sich einig: Es war eine schöne Zeit auf der Veste Otzberg, mit interessanten Veranstaltungen und der großen Chance, vielen Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus das alte Odenwälder Handwerk des Spinnens näher zu bringen.

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