Lautertal

Felsenmeer in Flammen Am kommenden Wochenende gibt es wieder vier Vorführungen des Bürstädter Lichtkünstlers Tobias Rohatsch

Steinerne Kolosse in Szene gesetzt

Archivartikel

Reichenbach.Vor 15 Jahren war es nichts als ein Experiment: Die Bürgerstiftung Lautertal hatte den jungen Bürstädter Tobias Rohatsch gebeten, mit seiner Veranstaltungsfirma Young Dimension ein Feuerwerk im Felsenmeer als einmaliges Ereignis zu inszenieren, als dem damals 20-Jährigen die Idee kam: „Warum nicht den Fokus auf die steinernen Kolosse richten, die als zeitloser Publikumsmagnet von Jung und Alt gelten?“

Rohatsch brachte, ganz analog und puristisch, einige einfarbige Scheinwerfer mit, illuminierte die Felsen – und sorgte unter den Gästen für Staunen. Auch wenn die erste Show im Jahr 2004 nur knappe fünf Minuten dauerte: Die historische Riesen-Sage von der Entstehung des Felsenmeers mit einem visuell-künstlerischen Ansatz von bereits damals höchster Qualität zu verzahnen, hatte sich zuvor noch niemand gewagt.

Die Idee von Felsenmeer in Flammen war geboren – und wuchs von Jahr zu Jahr in neue Dimensionen. Zum einen, weil sich Rohatsch und sein 40-köpfiges Team mit der Zeit auf fast organische Weise in die Erfordernisse des Areals hineinspüren konnten, zum anderen weil die technischen Möglichkeiten dem Veranstaltungsexperten erlaubten, sich mit seinen künstlerischen Visionen jedes Jahr neu zu verwirklichen.

Die selbst formulierten Ziele wurden dabei ebenso stilsicher wie kontinuierlich nach oben angepasst. Auch wenn sich Rohatsch durch jahrelange Erfahrung auf das Ausrichten von Großveranstaltungen bereits bestens verstand – für das Felsenmeer die harmonische Mischung aus Wirkung und Atmosphäre zu finden, stellte sich durchaus als Grenzgang zwischen Willen und Möglichkeit dar, den der Bürstädter im Gespräch offen beschreibt:

Fein justierte Dramaturgie

„Der Fels ist ein ganz besonderer Grund, der seine spezielle Aura behalten muss und niemals überfrachtet werden darf, um noch selbst zu gelten.“ Mit Passion, Ausdauer und Muskelkraft lotete der 35-Jährige über die Jahre die besten Plätze für die Scheinwerfer aus, strahlte die Brocken wahlweise von außen oder direkt aus dem Gestein heraus an, um die Felsen wie Lava pulsieren zu lassen und langsam zum Regisseur einer fein justierten Dramaturgie heranzureifen.

Anregungen von Kollegen, Experten und Besuchern bezog der 35-Jährige dabei in seine Konzepte mit ein und gibt sich überzeugt, genau durch diese Verfeinerung über eineinhalb Jahrzehnte den Weg des Erfolgs beschritten zu haben: „Wenn sich die Menschen emotional nicht so unglaublich mit dem identifizieren würden, was wir hier tun, wären wir heute noch lange nicht dort, wo wir sind.“

Von einer Evolution poetischer Lichterpracht zu sprechen, wie sie längst weit über Lautertal hinaus Strahlkraft entfaltet, scheint keineswegs vermessen, zumal die Organisatoren ab Freitag bei vier restlos ausverkauften Vorstellungen 8000 Gäste aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet erwarten. Für die stolze 35 Minuten lange Show haben sich die Macher einiges einfallen lassen.

Erzählte man in den vergangenen Jahren mythische Geschichten zwischen „Verborgenen Wünschen“ und „Fremden Welten“, haben sich Tobias Rohatsch und seine Mannschaft diesmal das Motto „Live!“ auf die Fahnen geschrieben. Es überschreitet die Grenzen des Altbekannten gleich in mehrfacher Hinsicht. Auf der einen Seite korrespondieren die musikalischen Attraktionen zwischen Budenzauber und Showbühne erstmals mit der visuellen Inszenierung.

Lichtshow reagiert auf Livemusik

Auf der anderen Seite werden die Fertigkeiten der Lichttechniker ausgereizt. Konnten die die bis zu 550 Beleuchtungswechsel der mehr als 250 LED-Scheinwerfer in der Vergangenheit bereits vorab perfekt auf das 140 Meter breite und 30 Meter lange Felsenmeer programmieren, müssen wachsame Finger die Effekte nun individuell auf die gespielte Live-Musik hin choreographieren. „Das wird ein heißer Tanz“, so Tobias Rohatsch. Denn Außer Laser-gerahmten Techno-Sounds werden die Musiker des Pop-Duos Parallel auf eigens errichteten Plateau-Bühnen mitten im Gestein ebenso für packende Momente sorgen wie die Funk-Rocker der Groove Generation. Gekrönt wird das am Ende vom Auftritt der jungen The-Voice-Kids-Kandidatin Emma Ross aus Beedenkirchen, deren emotionale Ballade einen Ausblick auf die Zukunft des Ereignisses gewähren wird.

Auch wenn bis zur Premiere noch tausende Arbeitsschritte und zwei durchwachte Nächte bevorstehen, zeigt sich Organisator Rohatsch in einem ganz gewiss: „Auch, wenn wir hier schon zahllose Dinge gewagt haben – wir haben in Zukunft noch viel vor.“

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