Lautertal

Frauenfrühstück Theologin Doris Schulte ging in ihrem Vortrag der Frage auf den Grund, worauf es beim Weihnachtsfest ankommt

Wenn im Advent die Stimmung klemmt

Reichenbach.Zum Abschluss vom Jahresprogramm des Frauenfrühstücks der evangelischen Kirche und der Landeskirchlichen Gemeinschaft gab es ein weihnachtliches Kaffeetrinken. Die Deutschkanadierin Doris Schulte hielt einen Vortag mit dem Titel: „Advent, Advent, die Stimmung klemmt“.

Die studierte Theologin lebt im Westerwald und ist Jahrgang 1956. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und fünf Enkelkinder. In ihrem Vortrag erinnerte sie die Frauen daran, was zu Weihnachten wirklich wichtig ist: Die wahre Liebe, wie Gott sie den Menschen schenkt. Die Liebe, die so hell strahlt, wie der Stern von Bethlehem.

Einkäufe im Internet

Die Referentin ist Herausgeberin mehrere Bücher zum Verständnis der Bibel und eines Spiels mit 62 Fragen. Das Spiel „Erzähl mal von Dir“, so erklärte Schulte entwickelte sie bei einem Weihnachtsfest. „Wir sind alle keine guten Sänger also habe ich mir die Fragen ausgedacht“, berichtete sie. Mit dem Spiel hätten sie und ihr Mann die Schwiegertöchter besser kennengerlernt. „Ich habe aber auch von meinen Mann Wilfried Dinge erfahren, die ich noch nicht von ihm wusste“, unterstrich Schulte.

Ihr Vortrag war sehr lebensnah gehalten. „Mit meiner Enkelin war ich kürzlich zum Geschenke kaufen in der Stadt“, plauderte die Theologin aus dem Nähkästchen. Die Geschäfte waren aber nicht so voll, wie sie gedacht hatte. Die Erkenntnis von Doris Schulte und ihrer Enkelin: Die Menschen kauften inzwischen fast alle Geschenke im Internet. Da täten einem die Einzelhändler und die Paketboten leid, die mit dem neuen Kaufverhalten umgehen müssen. Die Geschenke zu Weihnachten sollten doch nur eine Gabe der Liebe sein, sagte Schulte. Geschenke ohne Liebe sorgten nur für volle Regale, schlechte Stimmung und dem Verkauf auf Internetplattformen. Schulte gab zu, sie schon mal das Falsche geschenkt zu haben. In ihrer Familie werde aber darüber geredet, nur Not würden die unpassenden Geschenke eben im Internet versteigert.

Für beide Seiten schön

Wichtiger als das Geschenk selbst seien die Gedanken dahinter, wie in einer Geschichte, die Schulte erzählte: Ein Mädchen kauft von ihrem Taschengeld einen Blumenstrauß für ihre Mutter zu Weihnachten. Die Mutter freut sich und die Tochter erzählt ihr: „Ich hätte Dir ja gerne den Blumenstrauß mit der Schleife und der Schrift Ruhe in Frieden geschenkt, aber er war zu teuer.“ Die Mutter fragt ihre Tochter warum. Die Antwort: „Weil du dir doch immer Ruhe und Frieden wünschst“. Das habe die Tochter sehr gut erkannt, sagte Schulte. „Vor Weihnachten wollen wir es all unseren Familienmitgliedern recht machen“, betonte die Referentin. Es werde gebacken, gekocht und geputzt. Es würden Geschenke eingekauft und Karten mit Weihnachtsgrüßen verschickt – trotzdem lägen nicht die gewünschten Perlohrringe unter dem Weihnachtsbaum.

Schenken sei für beide Seiten schön: Für den, der beschenkt wird und für den, der schenkt. „Das ist auch der Grund, warum wir Weihnachten, mit Menschen feiern wollen, die wir lieben“, gab sie zu bedenken. Früher sei sie an Weihnachten immer zu ihrer Familie nach Kanada geflogen, ihr Mann zu seinem Vater und dessen Lebensgefährtin nach Lanzarote.

Heute kommen die Kinder mit der Familie an Weihnachten zu ihnen in den Westerwald. „Ich liebe es zu Dekorieren, Plätzchen zu backen und zu kochen“, erzählte Schulte den Zuhörern. Ihr Sohn habe sie einmal gefragt, warum seine Frau so gar nichts davon habe. „Sie ist eine Minimalistin und lebt wirklich nachhaltig“, erläuterte Schulte. Möbel, Kleider und Schuhe kaufe sie gebraucht. Sie habe ihrer Schwiegertochter mal eine Kerze zu Weihnachten geschenkt. Die stehe immer noch auf dem Dachboden. Für sie zähle das Zusammensein mit der Familie.

Gleichgültige Gesellschaft

Auch für sie zähle die wahre Liebe, die Brücken baut und im Leben präsent ist, sagte Schulte. Wer dies ausgestrahlt, sei es ein Geschenk für einen selbst und für andere. Sie warnte vor Schmeichlern und Erpressern: Beides habe nichts mit Liebe zu tun.

Nach Ansicht der Referentin ist die Gesellschaft sehr gleichgültig geworden. „Uns interessiert nicht mehr, wie es dem Anderen geht. Wir ducken uns gerne weg und verstecken uns hinter den Worten jeder, jemand, irgendjemand“, kritisierte sie.

Schulte schlug den Frauen vor, Weihnachten einmal folgendermaßen zu feiern: Den anderen so anzunehmen wie er ist. Ihm zu sagen wie wundervoll er ist. Ihm das Geschenk zu machen, mit zu leiden, wenn er leidet. Ihm zu sagen: „Ich will nur was für dich am besten ist“. Alle Beleidigungen und Kränkungen vergessen. Echte Liebe sei die Investition in eine Langzeit-Aktie. Mit diesen Tipps entließ Doris Schulte die Lautertaler Frauen in die Weihnachtszeit.

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