Leserbrief

Politik und Gesellschaft

Achtung und Offenheit sind ohne Alternative

Wir haben eine Selbstverantwortung für unser eigenes Leben und tragen Mitverantwortung für sehr vieles, was um uns herum passiert. Die Zukunft der nachfolgenden Generationen eingeschlossen.

Jedes Thema, ob Umwelt, Rente, Flüchtlinge, Innenstadtentwicklung ist wichtig und trotzdem in der Gesamtverantwortung der Politik nur ein Teil vom Ganzen. Das werden viele Nicht- und Protestwähler sicher anders sehen. Schwere Zeiten für Volksparteien.

Sachliche Leserbriefe, friedliche Demonstrationen und Bürgerinitiativen sind wichtige Beiträge. Den größten Einfluss auf die Politik gibt uns jedoch eine direkte oder indirekte Mitarbeit in den Parlamenten. Auf Bensheim bezogen die Stadtverordnetenversammlung. Kundige und engagierte Bürger können mit Parteien und Fraktionen den Dialog suchen. In meiner Einschätzung wird das viel zu selten genutzt.

Angela Merkel und Rolf Richter: Ich habe hohen Respekt für deren Bereitschaft, sich für uns Bürger einzusetzen, obwohl ich noch nie die CDU gewählt habe und mit vielen Entscheidungen nicht einverstanden bin. Das gleiche gilt für die ehrenamtlichen Kreis- und Stadtverordneten. Die Tätigkeit in diesen Gremien anspruchsvoll und zeitaufwendig, wird aber mit wenig Zuspruch aus der Bevölkerung belohnt. Kompromiss- und Leidensfähigkeit sind oft unverzichtbar.

Sich immer auf das politisch Machbare zu beschränken macht die Aufgabe nicht leichter. Fraktionszwang ist nicht auszuschließen, Koalitionsverträge müssen eingehalten werden. Ein Privileg für die Stadtverordneten kann ich nicht erkennen. Da nur mit Wohnsitz hier wählbar, sind sie alle Mitbürger unserer Stadt, die sich in bester Absicht (nach bestem Wissen und Gewissen) für das Wohl von Bensheim einsetzen. Für ihren Einsatz sollten wir dankbar sein. Andererseits sind Respekt und Anerkennung kein Freibrief für falsches Handeln. Das gilt für alle und jeden.

Auch in erfolgreichen Unternehmen gibt es regelmäßig strategische Fehlentscheidungen und Fehlinvestitionen. In der Politik sind die Schuldigen jedoch (zu) schnell gefunden und werden öffentlich angeprangert. Nicht nur die Mandatsträger im Parlament, die den „schlechten“ Beschlüssen zugestimmt haben, sondern auch jene Bürger, die sich mit ihrer Kompetenz einbringen könnten, dies aber nicht tun, unterstützen diese Fehler. Kontrollorgane sind unerlässlich.

In zwei Jahren sind wieder Kommunalwahlen. Ein respektvolles Miteinander von Rathausspitze, Parlament und Bürgern ist eine wichtige Voraussetzung, auch neue Mandatsträger zu gewinnen. Offenheit, Achtung und Gestaltungsspielräume untereinander zuzugestehen ist dabei ohne jede Alternative.

Zur Verantwortung gehören auch Vertrauen, Ein- und Zugeständnisse. In den Vorgängen rund um den Marktplatz /Haus am Markt bin ich kein Insider. Wenn es jedoch noch Handlungs- und Mitsprachemöglichkeiten gibt, sollten diese genutzt werden. Mitverantwortung zu übernehmen setzt (sachliches) Interesse voraus. Dies ist hier im hohen Maße vorhanden. Gut so.

Rolf Schulz

Auerbach

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