Leserbrief

Glockenspiel

Alte Kaiserhymne passt zum Denken dieser Partei

„Glockenspiel für Sankt Georg“, BA vom 23. Mai und „CDU schlägt die Nationalhymne vor“, BA vom 29. Mai

Die CDU schafft es doch tatsächlich, mir selbst die wenigen positiven Nachrichten bezüglich der Innenstadt zu vergällen. Welch eine wunderbare und dankenswerte Idee des großzügigen Spenders Jochen Henke, die Bensheimer mit einem Glockenspiel zu beschenken, das mit fröhlichen Melodien Groß und Klein erfreuen soll.

Ärgerlich fand ich allein die sofortige politische Vereinnahmung durch einen Bürgermeister, dessen Reputation zur Zeit wahrlich nicht die beste ist und der offensichtlich jede PR bitter nötig hat.

Zu allem Überfluss muss uns nun auch noch seine Partei einige Tage später mit dem Vorschlag beglücken, die Nationalhymne in das Glockenspiel aufzunehmen. Ich habe den Spender allerdings so verstanden, dass er das Glockenspiel der Kirche und den Bensheimern schenkt und nicht der CDU.

Nicht vereinnahmen lassen

Nun passt die alte Kaiserhymne zwar zum obrigkeitsstaatlichen Denken dieser Partei, deren Welt nur dann in Ordnung ist, wenn sie selbst diese „Obrigkeit“ bildet, was uns ja zurzeit auch kommunal sinnbildlich vor Augen geführt wird. Wir leben aber mittlerweile in einer säkularen Gesellschaft, und die Kirche täte gut daran, sich nicht politisch vereinnahmen zu lassen.

Was würde denn geschehen, wenn „heimattreue“ Gesellen sich einfallen ließen, zum Glockengeläut die „falschen“ Strophen über den Marktplatz zu grölen? Das möchte ich nicht erleben. Wenn es schon etwas „Staatstragendes“ sein soll, dann böte sich doch wohl eher die Europahymne unseres genialen Beethoven an, gerade weil Bensheim mit vielen europäischen Städten in alle Himmelsrichtungen Europas partnerschaftlich verbunden ist.

Noch lieber möchte ich allerdings die vorgeschlagenen Jahreszeitenlieder (Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winter/Weihnachtslieder) dazu vielleicht ein paar Kirchenmelodien oder den vertonten irischen Segensgruß hören, als mich von der CDU bevormunden zu lassen. Strammstehen auf dem Marktplatz möchte ich jedenfalls nicht.

Doris Tiemann

Bensheim

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