Leserbrief

Mobilität

An Elektroautos führt für die Zukunft kein Weg vorbei

„Mit kleinem Akku zur guten Ökobilanz“, BA vom Samstag, 21. November

Es mag ungewöhnlich sein, einen Leserbrief zur Vorstellung eines neuen Elektroautos zu schreiben. Nur – die „Vorstellung“ des Fahrzeuges wurde anscheinend genutzt, Vorurteile gegenüber Elektroautos zu zelebrieren, die dem aktuellen Sachstand widersprechen.

So schreibt der Autor (oder zitiert Mazda), nur E-Autos mit kleinen Akkus hätten eine bessere Ökobilanz als Dieselfahrzeuge. Das ist falsch. Eine Untersuchung des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg aus 2019 hat viele Szenarien für Antriebsstränge verglichen und kommt zu folgendem Ergebnis:

Selbst bei Nutzung des deutschen Strommixes (also kein Ökostrom) und unter Berücksichtigung der Nutzung von Kohlekraftwerken in China für die Batterieherstellung erreicht ein kleines E-Fahrzeug (30KWh-Batterie) einen Umweltvorteil gegenüber Dieselfahrzeugen bei einer Gesamtfahrleistung von rund 60 000 Kilometern. Ein 60-kWh-Batterie-Fahrzeug erreicht diesen Vorteil bei rund 160 000 Kilometern – später, aber eben doch. Wenn Ökostrom verwendet und die Batterie recycelt wird, und erst gar nicht mit Strom aus Kohlekraftwerken hergestellt wird, wird der Umweltvorteil der Elektrofahrzeuge deutlich früher erreicht. IFEU hat absichtlich den Worst Case betrachtet, um den Gegnern der Elektromobilität keine Angriffsfläche zu bieten.

Armutszeugnis für den Hersteller

Auch die Ladezeiten werden mindestens missverständlich dargestellt – der MX-30 lädt an der 22-kW-Ladestration deswegen fast vier Stunden, weil er mit maximal 11 kW Wechselstrom lädt, egal wie viel die Ladestation bietet. Über Nacht lädt übrigens an einer (genehmigungsfreien) 11kW-Wechselstrom-Ladebox jedes Elektrofahrzeug fast vollständig.

Der Stromverbrauch des MX-30 hingegen kann als überraschend hoch bezeichnet werden – ein Tesla Model 3 kommt nach neusten Praxistests durch Fachzeitschriften auf 13 kWh pro 100 Kilometer im Sommer, knapp 17 kWh im Winter. Das entspricht bisher auch unseren Praxiserfahrungen mit einem Renault Zoe. Dass der Mazda MX-30 mit einer 35-kWh-Batterie im Winter nur 140 Kilometer schafft, muss daher als Armutszeugnis für den Hersteller gewertet werden – oder auch das Streckenprofil diente, wie der Artikel, zur Beförderung von Vorurteilen gegenüber Elektromobilität.

Einfache Überschlagsrechnung

Eine einfache Überschlagsrechnung hingegen lehrt folgendes: um die Klimaziele von Paris zu erreichen, müssen – wenn wir die Individualmobilität wie heute erhalten wollen – bis 2030 rund 60 Prozent der gesamten Pkw-Flotte auf der Straße elektrifiziert sein, sonst verfehlen wir im Verkehrssektor die Klimaschutzziele. Batterien müssen recycelt (oder nach der Autonutzung als Stromspeicher zuhause genutzt) werden und dürfen nicht mit chinesischem Kohlestrom hergestellt werden. Wenn wir EU-weit in sieben Jahren 750 Milliarden Euro für die Corona-Wirtschaftsflaute ausgeben können, dann sollte der Schutz des Erdklimas nicht weniger wert sein. Das trifft nämlich alle folgenden Generationen.

Ralf Löffler

Lindenfels

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