Leserbrief

Neue Zehntscheune

Angestrahlte Exponate sind nicht gut genug

Der Leiter der Lorscher Welterbestätte Kloster Lorsch ist gewiss ein Genie hinsichtlich der Konzepte für die Inwertsetzung der Klosteranlage in Lorsch und hinsichtlich der Geldbeschaffung hierfür. Er sollte aber bei der frisch hergerichteten Lorscher Zehntscheuer den Bogen jetzt nicht überspannen. Denn in der 'zappendusteren', halbleeren Halle fühlt man sich durch die derzeitige mystifizierende Präsentation von Architekturfragmenten doch etwas auf den Arm genommen.

Laut Flyer 'Schaudepot Zehntscheuer' soll beim Besucher "durch den bewussten Verzicht von Beschriftungen der Exponate der Entdeckergeist angeregt und bewusst Raum für eigene Assoziationen geschaffen werden".

Dazu sind die punkthaft angestrahlten Exponate - ausgenommen der Ludwig-Sarkophag - jedoch einfach nicht sprechend genug, nicht gut genug. Soll heißen, sie haben nicht die Qualität wie - sagen wir - solche Fragmente von der Abtei Cluny. Hier wird eine Tugend gebastelt aus der Not, dass die dingliche Hinterlassenschaft zum Kloster Lorsch nur ein schwacher Abglanz von dessen geistesgeschichtlicher Bedeutung ist.

Meine Empfehlung wäre, die in der Tat imposante Zehntscheuer zu einem exemplarischen Museum des Mönchtums und der Klosterkultur insgesamt auszugestalten, ähnlich dem Klostermuseum in 37445 Walkenried im Harz. Auch dort wird übrigens abgedunkelt - nämlich zu den Gebetszeiten der einstigen Mönche.

Volker Scherf

Bensheim

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