Leserbrief

Bebauungsplan

Anwohnern wurden selbst kleine Bauten untersagt

Über die kurzfristige und fragwürdige Umwandlung eines kleinen Teilstücks einer waldnahen Wiesenfläche im Außenbereich Südlich Brunnengewann wurde im Bergsträßer Anzeiger schon mehrfach berichtet. Zuletzt war ein Bericht unter der Überschrift „Bauchgrimmen beim Bebauungsplan“ am 7. Juni zu lesen. Der Vorgang an sich beinhaltet etliche Merkwürdigkeiten, widersprüchliche Aussagen sowie undurchsichtige und nicht nachvollziehbare Handlungsstränge.

Keine Chance für einen Einspruch

Fakt ist, dass es sich hier offensichtlich um einen Verstoß gegen Sinn und Zweck der Gemeindesatzung handelt, die besagt, dass, wenn die Gemeinde Eigentümerin eines Grundstücks ist, diese dann über die Vergabe bestimmt. Hier wird sie im Nachhinein Eigentümerin, um besagtes Grundstück an den Verkäufer des Grundstücks zurück zu verkaufen. Andere Gemeindemitglieder hatten somit gar keine Möglichkeit, Einspruch gegen die Umwidmung in Bauland einzulegen oder das Grundstück von der Gemeinde in einem sonst üblichen Verfahren zu erwerben.

Vom Plan aus der Zeitung erfahren

Mit Verweis auf den Flächennutzungsplan wurden den seit Jahrzehnten ansässigen Anwohnern selbst kleinere Bauten untersagt, jetzt wurde für die Baumöglichkeit eines einzigen Einfamilienhauses in die Trickkiste gegriffen. Selbst die direkten Anwohner und somit unmittelbar Betroffenen, haben von der wundersamen Verwandlung einer Wiese in Bauland erst durch zwei Zeitungsartikel im Bergsträßer Anzeiger vom 29. Mai und 7. Juni erfahren.

Aber grundsätzlich stellen sich darüber hinaus noch weitere Fragen. Muss denn ein zusammenhängendes Stück Wiesenfläche mit einer intakten Flora und Fauna mit allen Mitteln einer einzelnen Wohnbebauung geopfert werden? Sie bietet doch nicht nur Erholungsraum für alle, sondern ist auch dringend benötigter Lebensraum einer Vielzahl von Tieren, wie Feldmäuse, Feldhasen und Zauneidechsen, Insekten: Bienen, Hummeln, Schmetterlinge usw.

Wir halten es auch deshalb gegenüber der Allgemeinheit nicht für vertretbar, diese wertvolle Wiesenfläche dem Kommerz zuliebe in eine Baufläche zu verwandeln. Die Fraktion der Grünen im Gemeindeparlament hat sich auch folgerichtig geschlossen gegen das geplante Projekt gestellt.

Wie blauäugig kann man sein?

Der Tenor der beiden anderen zustimmenden Parteien war dagegen: „Dies darf aber nicht zu einem Präzedenzfall werden.“ Wie blauäugig kann man denn sein? Der Präzedenzfall wurde doch hiermit soeben geschaffen.

Da die potenzielle Bauherrschaft bereits auf aussichtsreicher Stelle auf der im Rathaus geführten Liste der Bauinteressenten liegt, sollte ein Bauplatz im legal ausgewiesenen Baugebiet Im Knippel eine klare und transparente Alternative darstellen. Laut den Vergabekriterien für Bauherren werden Bauflächen hier jedenfalls streng nach dem zeitlichen Eingang der Interessensbekundung vergeben (s.a. Artikel „Bauchgrimmen beim Bebauungsplan“, BA vom 7. Juni).

An der Nase herumgeführt

Sollte dieses Projekt wie geplant trotz der oben angeführten nebulösen Vorgänge und der dargestellten Bedenken durchgeführt werden, fühlen wir uns als langjährige Anwohner und Einhäuser von den gewählten Gemeindevertretern ganz gehörig an der Nase herumgeführt.

Thomas Tremmel,

Iris Gärtner,

Sonja Blüm,

Ilka Deckers

Einhausen

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