Leserbrief

Islam

Auch Muslime sind zuallererst einmal Menschen

„Die Aussage der Bundeskanzlerin ist erklärungsbedürftig“, BA-Leserforum vom Dienstag, 27. März

Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ (Zitat)? Geht es Deutschland tatsächlich so gut, dass unser neuer Bundesinnenminister nichts Besseres zu tun hat, dies in seiner ersten Rede zu formulieren? Frau Merkel sieht das anders. Das finde ich mehr als gut und spiegelt schlichtweg die Realität wieder. Und „nein“, Deutschland geht es nicht so gut, wie viele meinen. Wir müssen uns um wichtigere Themen kümmern…

Einigermaßen unerträglich finde ich allerdings den Hinweis des Leserbriefschreibers, dass Muslime in unserem Land sich zum Grundgesetz bekennen müssen. Mit dieser Aussage wird impliziert, dass jeder Muslim in Deutschland dies nicht tut beziehungsweise dass er oder sie Anhänger der Scharia etc. ist. Eine Frage an den Leserbriefschreiber: Wie viele muslimische Familien kennen Sie? Mit wie vielen sind Sie befreundet? Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin weder ein weit gereister Islamexperte und ich habe auch nicht den Koran gelesen. Sie aber scheinbar schon? Oder haben Sie etwa nur eine Sure zitiert?

Religionsfreiheit gilt für alle

Ich bin froh, dass ich seit der Flüchtlingskrise einige muslimische Familien kennengelernt habe. Und ja, die Frauen tragen alle Kopftuch. Ich respektiere das zunächst wertfrei. Dennoch ist keine dieser Familien in irgendeiner Weise extremistisch noch Anhänger der Scharia. Ich bin nicht ein einziges Mal darauf angesprochen worden, ob ich nicht vielleicht mal in die Moschee kommen möchte. Warum auch? Diese Muslime sind zunächst einmal Menschen. Und sonst gar nichts. Genauso ist es mit den vielen Millionen türkischstämmigen Deutschen, die hier nun mal in unserem Land leben. Das muss man doch einfach mal akzeptieren. Diese Menschen haben ein Recht darauf, dass ihre Religion anerkannt wird. Es gibt nämlich so ganz nebenbei in unserem Land die wunderbare Religionsfreiheit. Was machen Sie mit mir, wenn ich zum Islam konvertiere? Gehöre ich dann nicht mehr zu Deutschland?

Dass der Islam sich in der Zukunft reformieren sollte, ist nebenbei auch meine Meinung. Dies hat aber mit dem Leserbrief recht wenig zu tun. Zumal es nicht unser Recht ist, mit erhobenem Zeigefinger anderen Religionen und Kulturen zu sagen, was gut oder schlecht ist. Solange alles auf Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte basiert. Das ist klar. Aber wir reden ja nicht von den Zuständen in anderen muslimischen Ländern, die tatsächlich teilweise weit weg von Demokratie und Menschenrechten sind. Nebenbei ist das genau der Grund, warum so viele Menschen weltweit auf der Flucht sind.

Spalterei muss ein Ende haben

Zum Schluss muss ich eine weitere Unerträglichkeit endlich einmal loswerden: Es ist nicht die Aufgabe der Politik, der Gesellschaft eine Art Leitkultur oder Leitreligion aufzuzwingen. Wo leben wir denn? Wobei ich persönlich es wunderbar fände, wenn mehr sogenannte Deutsche sich unserer christlichen Kulturen und Traditionen erinnern würden. Fragen Sie doch mal, wer den Ursprung der kommenden Mai-Juni-Feiertage noch kennt? Fronleichnam, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. In diesem Sinne hoffe ich, dass diese Spalterei und das Schüren von Hass in unserem Land endlich aufhört.

Sinngemäßes Zitat von Sebastian Puffpaff (deutscher Kabarettist): „Mich interessiert nicht welche Hautfarbe oder Religion jemand hat, oder aus welchem Land er oder sie kommt. Ich möchte nur wissen, ob jemand ein Arschloch ist oder nicht.“

Alexander Gebhardt

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser- anzeiger.de/leserforum

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