Leserbrief

Wölfe

Auch Schutzhunde haben Anspruch auf Tierschutz

Wolfsrisse in Lautertal, Leserbrief im BA vom 20. Juli:

Das ist sehr schön beim Naturschutzbund abgeschrieben. Ein Anruf beim Schafzuchtverband oder beim Hannoveraner Zuchtverband, wo kürzlich zwei Jungpferde von 400 Kilogramm Gewicht gerissen wurden, hätte besser informiert.

Zum Thema Herdenschutzhunde ist zu sagen, dass es zwei Schläge davon gibt. Effektive Herdenschutzhunde schützen ihre Herden im Umkreis von zwei Kilometern vor jedem Störenfried unter Einsatz ihres Lebens – auch vor Radfahrern, Joggern, Wanderern und Reitern.

Die in Deutschland propagierten Herdenschutzhunde gehören einem anderen Schlag an, der Wölfe lediglich verbellt, um den Hirten zu rufen. Der, früher üblicherweise bewaffnet, hat dann das Problem für den Hund und die Herde gelöst.

Daraus folgen zwei Probleme: Was machen wir mit den Passanten, wenn Herden effektiv geschützt werden? Und wenn nur die in Deutschland propagierten Schutzhunde eingesetzt werden: Wer bezahlt die Hirten und erteilt ihnen die Erlaubnis, den Angreifer zu erschießen?

Wölfe erlegen nur so viel, wie sie fressen können? Warum hat dann ein Wolf im Schwarzwald über 40 Schafe, warum haben fünf Wölfe in der Lausitz über 70 Schafe umgebracht?

Über Esel und Lamas als Herdenschutz ist zu sagen, dass diese lediglich den Speisezettel der Wölfe bereichern. Nicht mal mehr die sehr wolfsfreundlichen Nichtregierungs-Organisationen behaupten inzwischen noch, dass die Tiere hilfreich sind.

Nur zehn Prozent Schadenersatz

Entschädigung und Zaunförderung: Es wird lediglich der Schlachtwert der getöteten Tiere ersetzt – wenn überhaupt. Das deckt rund zehn Prozent des Schadens ab. Die Zaunförderung wird nicht jedem Tierhalter zuteil, Anträge werden eher schleppend bearbeitet.

Die Mehrarbeit – sei es für Herdenschutzhunde als auch für höhere Zäune – bleibt an dem Tierhalter hängen, der das üblicherweise nicht leisten kann. Schon vor dem Auftauchen der Wölfe konnten Schafhalter nicht über Langeweile oder eine überbordende Geldflut auf dem Bankkonto klagen.

Zu guter Letzt darf nicht verschwiegen werden, dass auch Herdenschutzhunde Anspruch auf Tierschutz haben. In Hundekämpfen verheizt zu werden – nichts Anderes ist der Einsatz gegen Wölfe –, das hat kein Hund verdient. Ganz abgesehen davon, dass es ungesetzlich ist.

Der Königsweg wird leistbarer Herdenschutz und eine Bejagung von Wölfen sein. Nur dann können Wölfe eine Bereicherung für unsere Fauna sein und sich nicht zur Gefahr für die Artenvielfalt entwickeln.

Annegret Sproesser

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